Montag, 30. Januar 2017

Ein Gesetz, das ich selbst mir mache.


 
1.

Es wurde geredet von unsprünglicher Beschränktheit unseres Wesens, wodurch der Wille erst zum Willen wurde. Was sollte beschränt werden? Ein absolut Selbsttätiges, wass nur selbsttätig ist. Die kann nicht wie ein Sein beschränkt werden, dem wohl eine innere Kraft angestammt sein mag, die aber an die Quantität des Dinges geknüpft ist. Vide Beispiel einer immer mehr zu verringernden Kugel. 

So nicht //169// mit der Intelligenz, ihre Beschränkung soll stattfinden, ohne dass das Bewusstsein der aufgeho- benen Realiät aufgehoben wird. Welche könnte es sonst sein? - (Beschränktheit, die bloß an die Tätigkeit also solche sich wendet, nicht aber an das Sein) nichts als Beschränktheit durch die Tätigkeit selbst - die Aufgabe, sich selbst zu beschränken, nicht eine sich aufdringende Beschränkung, sondern [eine,] die nur stattfindet, in sofern sie mit Freiheit aufgenommen wird. - Folgerungen daraus.  

A) Was jene Begrenzung eines ursprünglichen Willens bedeuten soll, ist klar; es ist das Ganze der Beschränkt- heit als das Bestimmbare zu allen in der Zeit vorkommenden Bestimmungen, die ich mir auflegen soll. Der Grund liegt in meinem endlichen Wesen; dass ich diese oder eine andere aufnehmen soll, beruht auf meiner Individualität, alles andere ist transzendent. Der reine Wille ist nur der, den ich in der Zeit haben soll, vide Sittenlehre ca. [S.] 200. Antwort auf die Frage: Wer bin ich? Aber wer soll ich sein? Die Individualität ist be- stimmt nicht durch ein Sein, sondern durch ein Gesetz, es ist vorgeschrieben für alle Zeit, was ich werden soll.


Der reine Wille ist beschränkt, dies ist kein Menschenverstand, denn er ist ja nicht im Raume ausgedehnt, er ist Sponaneität und kann nur durch sich selber beschränkt werden. Es heißt also: Es liegt in meinem ganzen Sein ein Gesetz des Wollens (Sittengesetz), es ist nicht qualitas occulta wie bei Kant, es ist ein Gesetz, das ich selbst mir mache. - Die Beschränktheit der Selbsttätigkeit ist nicht Beschränktheit durch ein wahrnehmbar Objektives, sondern durch einen Begriff. Die eigentliche Aufgabe wäre: Wie wird dieser Begriff aufgefasst, und wie kom- men wir zu der Vorstellung, gewisse Vorstellungen zu haben?
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 168f.
 
 



Nota. - Ich kann keinen Zusammenhang herausfinden. Liegt es an Krauses Mitschrift? Fichte wünschte nicht, dass seine Hörer seinen Vortrag mitschreiben sollten, denn dann könnten sie sich nicht auf den Sinn konzen- trieren und das Vorgetragene nicht verstehen. Sie sollten sich lediglich Stichpunkte notieren und das Ganze zu Haus in ihren eigenen Worten rekonstruieren. - An dieser Stelle scheint Krause weder ganz das eine noch ganz das andere getan zu haben; der rote Faden geht verloren.

Worin die ursprüngliche Beschränktheit des "absolut freien" reinen Willens bestehen soll, ist allerdings erklä- rungsbedürftig. Sie soll jedenfalls eine Selbstbeschränkung sein, die ihrerseit "ursprünglich" ist, die ich jedoch "selbst mir mache". Ein Begriff soll es sein, der indessen "in meinem ganzen Sein" liegen soll. Dieser sei das Sittengesetz.  

Angenommen, so sei es gemeint; einsichtig ist es aber nicht, vielleicht kommt das noch?
JE





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