Lothar Sauer
...man
/ findet sich thätig, nur inwiefern man dieser Thätigkeit eine Ruhe (ein
Anhalten und Fixirtseyn der inneren Kraft) entgegensetzt. (Der Satz,
welches wir hier nur im Vorbeigehen erinnern, ist auch umgekehrt wahr:
man wird sich einer Ruhe nicht bewusst, ohne eine Thätigkeit zu setzen.
Thätigkeit ist nichts ohne Ruhe und umgekehrt. Ja, der Satz ist
allgemein wahr, und wird im folgenden in dieser seiner allgemeinen
Gültigkeit aufgestellt werden: Alle Bestimmung, was es nur sey, das
bestimmt werde, geschieht durch Gegensatz...)
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Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre, SW I, S. 530f.
Nota. - Bestimmt wird an einem Ding nicht, was es ist (das hat es nicht nötig, es ist sowieso), sondern das, was es bedeutet, das, als was es gilt: denn als das gilt es nur, sofern es bestimmt wurde. Das, was es bedeutet; das, als was es gilt; das, wozu es bestimmt ist, ist immer das, als was und wie es in einer Handlung vorkommen kann. Das ist eine bloße Worterklärung: Unter Handlung verstehen wir eine Tätigkeit, die absichtsvoll auf einen Gegenstand gerichtet ist (und der der Gegenstand auf diese oder jene Weise entgegen steht: Diesen Widerstnd nennen wir sei- ne Eigenschaft). Der Bestimmungsgrund der Bedeutung ist folglich die absichtsvolle Gerichtetheit.
Vorab war also die Richtung der Tätigkeit bestimmt; wir nennen sie ihren Zweck. Um einen Zweck als diesen zu bestimmen, musste ich ihn unterscheiden von allen (möglichen) Zwecken, die er nicht ist. Ich musste ihm sein Gegenteil entgegen setzen; nachdem ich ihn selber freilich gesetzt hatte: Omnis determinatio est negatio, allerdings; aber positio komt vor negatio.
JE
Reelle Wirksamkeit ist nur möglich
nach einem Zweckbegriffe, und der Zweckbegriff ist nur unter der
Bedin- gung einer Erkenntnis, und diese unter der Bedingung einer reellen
Wirksamkeit möglich; und das Bewusstsein würde durch einen Zirkel, und
sonach gar nicht erklärt. Es muss daher etwas geben, das Objekt der
Erkenntnis und Wirksamkeit zugleich sei.
Alle diese Merkmale sind nur in
einem allem empirischen Wollen und aller empirischen Erkenntnis
vorauszu- setzenden reinen Willen vereinigt. Dieser reine Wille ist etwas
bloß Intelligibles, wird aber, in wiefern es sich in einem Gefühl des
Sollens äußert und zufolge dessen gedacht wird, aufgenommen in die Form
des Denkens überhaupt als ein Bestimmtes im Gegensatze eines
Bestimmbaren, dadurch werde ich das Subjekt dieses Wil- lens, ein Individuum, und als Bestimmbares dazu wird mir ein Reich intelligibler Wesen.
Aus diesem reinen Begriffe lässt sich ableiten und muss abgeleitet werden das gesamte Bewusstsein.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 152
Nota. - Das reine Wollen ist der Erkläruungsgrund von Allem, was in unserm Bewusstsein vorkommt. Soll heißen: Wenn wir von Jedem, das in unserm Bewusstsein vorkommt, nacheinander alle Bestimmungen fort- nehmen, die wir an ihm finden, bleibt zum Schluss etwas übrig, das zum Bestimmen angetrieben haben muss und folglich selber noch in keiner Weise bestimmt sein kann: eine ursprüngliche prädikative Qualität. Und nur, weil Sie ist, erscheint alles Andere als bestimmbar; aber sie selbst als das zum Bestimmen Bestimmte. (Sie schafft keine Dinge, sondern Bedeutungen; sie ist selber kein Ding, sondern eine Bedeutung. Sie kommt nicht im Nichtich vor, sondern im Ich. Sie ist bloßer Gedanke.)
JE
Nota - Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
Arnie
Die sinnliche Kraft in Beziehung
auf unser Denken ist zuförderst ein Begriff, der aber nicht entsteht
durch Anschauung eines Objekt, sondern durch das Denken des
Mannigfaltigen in einer gewissen Verbindung. Kraft ist daher ein
synthetischer Begriff, sie wird nicht angeschaut, sondern gedacht. Wenn
ich das Mannigfaltige des Gefühls, das zufolge des Wollens entstehen
soll, zusammenfasse, so bekomme ich den Begriff von Kraft.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 131
Nota I. - Die Vorstellung der Wirkung alias Kausalität kommt zustande, indem zwischen die Anschauung von Vorher und Nachher unversehens eine Kraft
hinzugedacht wird. Gedacht, nicht angeschaut. Kausalität kommt nicht
als Erfahrungstatsache vor, sondern als metaphysische Spekulation.
21. 4. 15
Nota II. - In der heutigen Physik wird zwar von Kraft einfachheitshalber immer noch gesprochen, aber als Be- griff ist sie längst von der Wechselwirkung ersetzt: Unter Kraft stelle ich mir entweder etwas vor, das als Drittes zwischen zwei Dingen 'wirkt' und auch 'da' wäre ohne jene Beiden: aber dann, ohne zu "wirken"; oder als etwas, das als zweiter Bestandteil - neben der Masse - in dem Ding wäre, ohne dass ein zweites Ding da wäre, zwischen denen es wirkt; es könnte sich bewegen, ohne dass es bemerkbar wäre.
Anschaulich wäre sie weder in diesem noch in jenem Fall.
Mit der Wechselwirkung ist es anders. Es gibt sie nur zwischen Zweien. Eine Sonderexistenz außer den Beiden - etwas als sachliche Eigenschaft in ihnen - kann weder bewiesen noch behauptet werden. Es 'gibt sie' jediglich actu als Verhältnis. Und wieder ist sie nicht anschaubar, sondern auch nur das, woran sie sich äußert: als Wir- kung.
JE
Michelangelo, Sixtinische Kapelle
Wir haben jetzt die
Frage zu beantworten: Wie kommt man zu obiger Frage? Und was tut man,
indem man diese Frage nur streift? Die Frage nach dem Grunde gehört
selbst zu den notwendigen Vorstellungen.
Man sucht nur den Grund
von zufälligen Dingen. Die Philosophie überhaupt sucht den Grund von
notwen- digen Vorstellungen; diese müssen also als zufällig gedacht
werden.
Es wäre Unsinn, nach
dem Grund eines Dinges zu fragen, das ich nicht für zufällig hielte. Ich
halte etwas für zufällig heißt: Ich könnte denken, dass es gar nicht
oder dass es ganz anders wäre. So sind die Vorstellungen vom ganzen
Weltsystem; wir denken uns die Erde füglich als anders sein könnend, und
uns selbst können wir auf einen andren Planeten versetzt denken. Ob wir
ohne solche Vorstellungen sein könnten, belehrt uns die Philosophie;
aber dass wir das Weltsystem für zufällig halten, ist gewiss, denn nur
darum können wir nach einem Grund fragen.
Dieses Faktum enthält
die ganze Erfahrung; aus dieser geht man heraus, mithin auch aus der
gesamten Erfah- rung heraus, und dies ist Philosophie und nichts anderes.
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Wissenschaftslehre nova methodo, II. Einleitung, Hamburg 1982, S. 13
Nota I. - Der
gesunde Menschenverstand sieht das ganz anders. Was zufällig geschieht,
scheint ihm nicht hin- reichend begründet, und was hinreichend begründet
ist, kann eigentlich gar nicht anders sein. - Doch der ge- sunde
Menschenverstand ist ein Metaphysiker, für ihn sind logische Gründe und
reelle Ursachen dasselbe. Aber notwendig ist nur das Logische, alles
Faktische ist nur mehr oder minder wahrscheinlich, und also mehr oder
minder kontingent. Für das metaphysische Denken sind indessen beides
'Kräfte' aus einem 'Stoff', denen ein und dieselbe Substanz 'zu Grunde
liegt'. Und die stellen sie sich unweigerlich als einen Schöpfer vor - der selber aber 'ganz anders' hätte schöpfen können!
Die kritische
Philosophie macht es möglich und recht eigentlich notwendig, sich das
bloß Seiende, das lediglich ist, weil es ist, als einen Zufall
vorzustellen. Erst dann kann und muss man immer fragen: warum? Und keine
Antwort kann je die letzte sein, man muss immer weiter fragen: warum
nun aber dies? Einen Anfang wird man nie finden, man müsste ihn schon postulieren. Doch auch nur die Kritische Philosophie erlaubt, einen Akt der Frei- heit zu denken.
10. 6. 16
Nota II. - Nein: Der gesunde Menschenverstand glaubt gar nicht an den Zufall. Verstand, nämlich kein Aber- glaube, ist er eben wegen seiner Gewissheit des Gesetzes von Ursache und Wirkung. Wenn eine Usache nicht offenkundig ist, nimmt er eine an, die so vielfältig vermittelt ist, dass sie ihn - den gesunden Menschverstand - übersteigt. Chaostheorie versteht er vielleicht nicht, aber er glaubt sie gern. Die Vorstellung, dass etwas einfach nur so ist, wie es eben ist, und keinen hinreichenden Grund dafür hat, ist ihm gar nicht möglich - so wenig wie dem Aberglauben: Auch der nimmt immer eine Ursache an, und gern auch eine okkulte.
Genauer gesagt, einen Verursacher. Den hat auch im Vernunftzeitalter noch das Kirchendogma verbürgt, im Deismus der Aufklärer wurde er lediglich aus der Welt heraus vor deren Anfang versetzt, als Uhrmacher und Anstoßgeber.
Fichte schrieb schon in der Epoche der Naturgesetze. Auch hinter denen steht die Annahme von einem, der gesetzt hat. Für die hinreichende Ursache ist a priori gesorgt; auch dann noch, wenn ich mir das Naturgesetz ohne gesetzgebenden Schöpfer als unerschaffene, von sich aus wirkende Kraft vorstelle (die dann freilich selber ohne Grund wäre). Zufällig ist nun das, was nicht offenkundig unters Naturgesetz fällt; das bedarf einer Begrün- dung. So etwa die Welt, die schon war, bevor ein Gesetz in ihr wirken konnte.
*
Fichte geht es hier um die notwendigen Vorstellungen und den ganzen Komplex der Denknotwendigkeit. Es gibt ein Denken, das uns als notwendig vorkommt. Um das erklären zu können, müssen wir es im Gegenteil als zufällig denken: so, als ob es auch anders sein könnte. Da sagt er mehr, als er sich ausdrücklich zu formulieren wagt: Es muss selber aus Freiheit notwendig geworden sein; aus Freiheit notwendig. Das ist der einzige Grund, der selber keinen hat und daher in unserer Welt von Ursachen und Wirkungen als Zufall erscheint. Aber auch nur, weil er in unserer Welt gar nicht stattgefunden hat, sondern in der Vorstellung, und in unserer Welt erst wirklich wirkt, wenn er sich zu einem Ich bestimmt und Zwecke gesetzt hat.
JE
Ruth Rudolph, pixelio.de
Es kommt sonach dem Inhalte der Philosophie keine andere Realität zu,
als die des nothwendigen Denkens, unter der Bedingung, dass man über den
Grund der Erfahrung etwas denken wolle. Die Intelligenz lässt sich nur
als thätig denken, und sie lässt sich nur als auf diese bestimmte Weise
thätig denken, behauptet die Philoso- phie.
Diese Realität ist ihr völlig
hinreichend; denn es geht aus ihr hervor, dass es überhaupt keine andere gebe.
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Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre, SW I, S. 449
Nota. -
Wer immer einen zweiten Schritt tun will, muss ihn an einen ersten
Schritt anknüpfen. In der Wirklichkeit, und das ist nichts anderes als
die Welt der Erfahrung, tun wir immer schon den soundsovielten Schritt, und selbst dem gegenständlichen Philosophen geht es nicht anders. Rechtfertigen kann der Vernünftige sich immer nur durch Verweis
auf den eben vorangegangenen Schritt. Die Wissenschaftslehre, die den
Grund unseres wirklichen Wis- sens freilegen will, geht diesen Weg
konsequent zu Ende; bis zu dem Punkt, hinter den kein Schritt zurück
führt: Das Ich setzt sich, indem es sich ein/em Nichtich entgegensetzt.
Aus
diesem aufgefundenen Grund rekonstruiert sie dann Schritt für Schritt
die ganze Welt des wirklichen Wis- sens. Wenn ihr das gelingt, ist sie
bewiesen.
Und ist das Denken, das sie rekonstruiert hat, als notwendig erwiesen.
JE
Wie
ist Bewegung möglich? Nur dass die Linie konstruiert wird, so
Bewusstsein der Tätigkeit, dass das Be- stimmte aufgefasst wird als
Masse, als Ganzes [sic].
Bewegung ist dadurch noch nicht erklärt, ich sehe noch nicht, was durch
die Linie sich durchschiebt, so auch nicht das Bewusstsein, da man das
selbsttätige Agile noch nicht sieht. Mit diesem Bestimmbaren wird das
Ich vereinigt und angesehen als sein Vermittelndes, das bestim- mende
Ich.
Das
bestimmende Ich ist etwas Einfaches, Absolutes, durchs bloße Denken
Produziertes, ein Noumen, darin wird ja nicht gedacht ein sich wirklich
bestimmendes Ich, da bloß die Form gedacht wird, das bloße
Vermögen. Dies ist ein sonderbarer Begriff, da sich nicht verstehen
lässt, was ein bloßes Vermögen sein könnte, und doch ists im Bewusstsein
gedacht.
Wenn
ein Vermögen gedacht wird, wird die bloße Form gedacht, nicht aber ein
bestimmtes Handeln dieser Art. Es ist wie mit dem Denken des unendlichen
Raumes. Hierbei ist die Schwierigkeit die: Wie soll ich zur Erkennt-
nis der Form kommen, wenn ich sie nicht in etwas Bestimmten schon
realisiert gefunden habe? (Gewöhnlich hebt man von bloßer Abstraktion an in der gewöhnlichen Formularphilosophie.)
Wie ist Abstraktion möglich ohne vorausgegangenes Konkrete [sic]?
Dies wird angewandt aufs Selbstbestim- men - gerade dadurch ists
möglich, dass die Selbstbestimmung durch die das unendliche
Mannigfaltige auffas- sende Einbildungskraft hindurch erblickt wird,
welche hier die Vermittelnde ist. So werfe ich beim Linienziehen die
Linie durch die unendlichen Punkte hindurch.
Wies
uns zumute ist wenn wir zweifeln oder wählen, ist jedem bekannt. Also
der Begriff von dem Vermögen zu wollen liegt drin, es wird aber nicht
gewollt. Aber wie wird denn nun ein Begriff der Art möglich? Dadurch,
dass man / sich in der Deliberation
nicht auf eins einschränkt. Dies muss man nur transzendental verstehen,
die Vorstellung soll nicht als vorausgesetzt angenommen werden.
Es
ist allenthalben in der ganzen Sphäre, in der Einbildungskraft läuft,
ein quasi Bestimmen, das immer von einem zum andern übergeht, es ist
eine Bestimmtheit und Unbestimmtheit vereinigt. Hier sehen wir, wie der
Begriff der Bestimmbarkeit überhaupt erst entsteht.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 204f.
Nota I. - Es geht nicht um Begriffe und deren
bestmögliche Definition, sondern um das materiale Vorstellen selbst.
Dem Begriff nach kommt die Unbestimmtheit vor der Bestimmung. Woher die
Bestimmung aber kommt, wird gar nicht gefragt. Doch die Intelligenz, die
in einer Reihe vernünftiger Wesen zur Welt gekommen ist, trifft zuerst allenthalben auf schon (von Andern) Bestimmtes.
Unbestimmtheit ist das, was sie zuerst nicht kennt, darum erscheint sie
ihr, wo sie ihr begegnet, von vorherein als zu überwindender Mangel:
als ein zu-Bestimmendes. Als was sie zu bestimmen ist, weiß sie nicht, aber dass. Das Was schwebt ihr als Möglichkeit vor. Es erstaunt, dass F. von Schweben an dieser Stelle nicht spricht.
24. 3. 17
Nota II. - Nein, das ist zu flach. Man muss es "transzendental verstehen": Es schwebt. Das ist die - romantische - Schlüsselidee der Wissenschaftslehre; nicht in ihrer strengen immanenten transzendentalphilosophischen Her- leitung, sondern in der Anschauungweise, auf die man sich schon eingelassen haben muss, wenn man in der Trans- zendentalphilosophie überhaupt einen Sinn erkennen will. Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was man für ein Mensch ist. Wer in Sicherheit gewogen sein will, wählt eine Lehre, deren Rede ist Jaja, Nein- nein, woran er sich halten kann. Wer dagegen, zu seiner Freude oder seinem Leid,* an jeder Ecke wieder vor einem Rätsel steht, dem kommt das Schweben als Normalzustand vor. Da muss er sich zurecht-, da muss er hin- ausfinden. Dem kommt das nicht-als-dieses- und nicht-als-jenes-Bestimmte als ein Zu-Bestimmendes vor. Eine Philosophie wird er wählen, die dort anfängt. Und er wird wohl finden, dass sie darauf auch hinausläuft.
*) dies der Romantiker, jenes der Existenzialist
2. 10. 18
Nota III. - Im
sich-selbst-Bestimmen kreist die Einbildungskraft gewissermaßen um sich
selbst: Sie schwebt. Nichts anderes als dieses Schweben ist das 'Ich'.
27. 6. 15
Nota - Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog.
JE
M. Ernst
Im ganzen Bewusstsein komme ich nur
immer vor als Vermögen. Wir wollten das Bewusstsein der Agilität des
Ich ableiten nicht als etwas, das geschehen ist, sondern als etwas
unmittelbar Geschehendes. Oben argumen- tierten wir so: Ich finde meine
eigene physische Kraft als bewegt; durch sie hindurch erblicke ich ein
Objekt als Resultat meiner Kausalität; aber wie wird die physische Kraft
die meinige?
Ich beziehe diese Bestimmtheit
derselben auf mein Selbstbestimmen, welches ich voraussetze als
Erklärungs- grund. Demnach entsteht die höhere Frage: Wie werde ich mir
meines Selbstbestimmens bewusst? Dies haben wir zuletzt erörtert.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 205
Nota. - Hier geht es nicht darum, wo das Ich tatsächlich herkam.
Hier geht es darum, wie es - seiner selbst - zu Bewusstsein kommt. Ist das Bewusstsein gegeben, so kann es sich rückblickend nur als Vermögen erkennen: näm- lich als noch-nicht-bestimmt, als Abstraktion; ein bloßes Schema. Da es sich jetzt in concreto aber als bestimmt vorfindet, muss es ein Tätiges annehmen, das es so bestimmt hat.
Hier tritt ein Sprung ein: Das Subjekt der Darstellung wechselt. Anders gesagt: Aus der Meta-Ebene, wo der Transzendentalphilosoph berichtet von den Handlungen des Ich, kehren wir zurück auf die Objekt-Ebene, und das Ich betritt in seiner Rohform: als Einbildungskraft selbst die Szene und erkennt sich wieder als etwas "unmittelbar Ge- schehendes"; erkennt sich gewissermaßen wieder in ihrem Schweben.
'Wie ich mir meines Selbstbestimmens bewusst werde', würde man gewiss auch auf wissenschaftlich sauberere Art darstellen können. Doch auf die Darstellung kommt es gar nicht so an, sondern auf das, was gemeint ist. Und da ist diese romantische Auffassung eindrücklicher als alle dialektische Spitzfindigkeit.
JE