Dienstag, 13. Dezember 2016
Was heißt: sich etwas denken?
Was heißt: sich denken, sich etwas denken? Die Art, wodurch die Noumene zu Stande kommen, ist das 'sich denken'? Das Intelligible in das Sinnliche hineinsetzen als Vereinigungsgrund heißt: sich etwas denken. Das bloß Gedachte ist nicht in der Erfahrung, sondern wird erst durch das Erfahrende heineingetragen; daher heißt es a priori in der Bedeutung, wie Kant dies Wort nimmt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 137
Montag, 12. Dezember 2016
Die intellektuelle Anschauung muss gedacht werden als Grundlage allen Denkens.
Eigentlich ist die intellektuelle Anschauung nur Eine und in keiner Zeit, nur durchs diskursive Denken wird sie geteilt und fällt in die Zeit. Ich schaue mich an als wollend, da ist keine Zeit, kein vor oder nach; nur das Bedingte fällt in die Zeit; mein Wollen aber ist durch nichts bedingt.
Alles Denken ist in der Zeit; bei allem Denken dauert die Anschauung des Willens fort. Dieser Ausdruck ist nicht adäquat, aber er würde so [sic]: Indem ich die Anschauung auf das Mannigfaltige des Wollens beziehe, wird sie dauernd. Nur in dieser Rücksicht kann die Zeit Form der Anschauung heißen: Sie ist Form der intel- lektuellen Anschauung, die aber dadurch, dass sie in die Zeit aufgenommen wird, versinnlicht wird. Die Zeit ist also das Mittelglied zwischen dem Intelli-/giblen und Sinnlichen.
Wir bekommen sonach dreierlei Anschauungen:
a) sinnliche im Raum,
b) intelligible unseres Wollens,
c) solche, in welchem beides vereinigt ist, die Anschauung unseres Wollens in der Zeit.
Wir sehen jetzt klarer, was durch die Behauptung der intellektuellen Anschauung eigentlich behauptet wird. Es wir nicht behauptet, es könne ein Mensch bloß in der intellektuellen Anschauung sein. Der Mensch und jedes andere endlich Vernunftwesen ist sinnlich und in der Zeit. Die intellektuelle Anschauung ist das in allem Den- ken Bestimmbare, und muss gedacht werden als Grundlage alles Denkens. Sie lässt sich nur durch den Philoso- phen absondern, nicht aber im gemeinen Bewusstsein.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 136f.
Nota. - Nicht: Sie muss gedacht werden, sondern sie muss gedacht werden, denn aktuell angeschaut werden kann sie nicht, sondern immer erst das, was in ihr angeschaut wird: das tätige Ich. Sie ist Noumenon, genauer gesagt: Hypostasis.
Wenn man allerdings das tätige Ich erklären will, dann... muss sie gedacht werden.
JE
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE.
Sonntag, 11. Dezember 2016
Die Zeit ist das Fortwähren der intellektuellen Anschauung.
§ 13.
Im vorigen Paragraphen ist vom Begriff der Zeit geredet worden, dieser soll hier erklärt werden.
Die Aufgabe, die bei der Auflösung der Zeit entsteht, ist die: das Mannigfaltige des Gefühls zu vereinigen. Diese Vereinigung geschieht so, dass das Mannigfaltige abgeleitet werde von der Willensbestimmung und auf sie bezogen werde.
Aber die Gefühle erscheinen doch als etwas Mannigfaltiges, Diskretes, welches in eine Zeit oder in eine Zeitreihe fällt, in welcher das Gefühl und das Gefühlte folgen sollen. Und so entstünden zwei Zeiten: eine Zeit an sich, und eine Zeit, in welcher das Mannigfaltige folgen sollte. Die Gefühle fallen schon von sich in die Zeit, und hernach nimmt man sie in die Zeit auf. -
Wir müssen die Sache scharf nehmen, um diese zwei Zeiten zu vermeiden.
Ich bin überhaupt beschränkt, diese Beschränktheit macht mein Wesen aus (meinen Einen und ungeteilten Zustand in alle Ewigkeit, wenn Ewigkeit heißt: Negation der Zeit) und über diese darf nicht weiter gefragt werden, dies ist meine erste Beschränktheit. Nun wird aber von einer Veränderung der Beschränktheit geredet. Ich bin beschränkt im Auffassen meines Zustandes, dass ich nur diskrete Quanta auffassen kann, über diese Beschränktheit kann ebenfalls nicht weiter gefragt werden, z. B. ich kann nur durch die fünf Sinne auffassen, und mit jedem Sinn nur, was ihm zukommt. Dies ist die Beschränktheit im Auffassen meines Zustandes (Mein ganzes Bewusstsein ist nur ein Nach-und-Nach-Entstehen und An-//136//bauen, es ist nur eine Analyse dessen, was schon da ist, so gewiss ich da bin). (Ist einmal das Auffasssen nicht möglich, so entsteht ein Staunen, welches der Grund des Erhabenen ist.)
Der Grund, dass ich nur diskrete Größen auffassen kann, liegt ganz in mir. Man kann nur sagen: So ist es, so finden wir uns, a priori kann der Philosoph nichts hierüber ausmachen. Er kann nur sagen: Wenn es nicht so wäre, so könnte ich kein Bewusstsein setzen.
Von den diskreten Auseinanderliegenden hängt der Begriff der Zeit ab.Wenn ich aber ein Einzelnes, wieder eins und so fort auffasse, so entsteht für mich noch kein Mannigfaltiges; denn ich bin für mich nicht eins; ich denke x, y, z. Dann bin ich erst x, dann y, dann z. So wenig nun x, y, z ein Gemeinschaftliches haben, so wenig hat das Bewusstsein von x, y, z Gemeinschaft.
Soll das Mannigfaltige dem Denken erscheinen als eine Reihe, so muss ganz Dasselbe mit dem mannigfaltigen Denken vereinigt sein durch alles Denken. In allem Denken muss das Eine vorkommen, ohne dasselbe muss kein Denken möglich sein. Dies ist nun die im vorigen Pragraphen beschriebene intellektuelle Anschauung des Wollens. Diese wird durch das ganze diskurive Denken hindurch wiederholt, diese ists, die in allen Momenten hindurchgedacht wird, hierauf gründet sich die Lehre vom Gedächtnisse. Ich sehe mich selbst in die Zeit hin- ein, ich bin nicht in der Zeit, inwieferen ich mich intellektualiter anschaue als mich selbst bestimmend.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 135f.
Samstag, 10. Dezember 2016
Innere (reine) und physische Kraft.
§ 12.
Unser Streben oder unser praktisches Handeln ist nach dem vorigen Paragraphen der Maßstab aller Raum- bestimmung. Innere oder reine Kraft ist die unmittelbar und also intellektuell angeschaute Wirksamkeit des Wollens, durch welche das ganze freie Vermögen des Ich sich auf einen Punkt richtet. Äußere oder physische Kraft ist eben diese Energie, von der sinnlichen Anschauung durch eine Zeitreihe ausgedehnt, in welcher das Mannigfaltige des durch Kausalität des //135// Wollens bestimmten Gefühlsvermögens in das Verhältnis der Dependenz gebracht wird, durch welches Verhältnis allein es in die Einheit des Bewussseins aufgenommen werden kann; aber eine solche physische Kraft kann nur in einer realen Wirksankeit gesetzt werden, folglich ist die Ortsbestimmung der Dinge und daher das Bewusstsein selber nur zufolge einer reellen Wirksamkeit möglich.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 134f.
Nota. - Die physische Kraft unterscheidet sich von der reinen (Willens-) Kraft schon allein dadurch, dass sie in der Vorstellung in die Zeit und ipso facto in den Raum ausgedehnt wird.
JE
Freitag, 9. Dezember 2016
Alles Bewusstsein ist nur möglich in der Erfahrung des wirklichen Handelns.
L. SauerDieses Sukzessive fällt in die Zeit, und jedes neue Setzen meiner selbst fällt auch abermals in die Zeit. Das Sukzessive und die Zeit, in der es folgen würde, werden zusammengefasst und nur das Formelle, nicht das Materielle aufgefasst; und dadurch wird es möglich, eine Zeit zu denken. Zeit und Moment verhalten sich wie Bestimmbares zu Bestimmtem.
//134// 5) Wir haben gesehen, dass physische Kraft und alles, was durch sie und wodurch sie bedingt wird, nur gesetzt werden kann zufolge eines Gefühls, also nur im wirklichen Handeln, was uns erscheint.
Bei dieser Schätzung wird immer vorausgesetzt der Begriff der physischen Kraft, und diesen bekommen wir nur, inwiefern unser Wille Kausalität haben soll, inwiefern man wirklich handelt.
Der Fortgang zum Ziele heißt Handeln, das Handeln erscheint nur, das ist; es ist nur wie es ist im der aufge- zeigten Form der Anschauung.
Wenn man das Intelligible (das einzig Intelligible ist unsre Selbstbestimmung, die keine Zeitfolge kennt, weil sie kein Mannigfaltiges ist, das sukzedieren kann) das An sich nennen wollte, so ist es nicht so. An sich handeln und sind wir nicht in der Zeit, denn der Wille ist kein Mannigfaltiges. Aber ich bin sinnlich, ich muss durch die Gesetze der Anschauung hindurchgehen, und sonach lässt sich aus dem Intelligiblen allein nicht viel machen.
Die physische Kraft ist für uns nur zufolge eines physischen Handelns da. Nun sollen die Dinge im Raume geordnet werden zufolge des Begriffs unserer physischen Kraft. Sonach ist das Ordnen der Dinge im Raume - und da wir dies als Bedingung des Bewusstseins aufgezeigt haben, alles Bewusstsein - nur möglich im Bewusst- sein der wirklichen Erfahrung des wirklichen Handelns. - (Alle Abstraktion bezieht sich auf Erfahrung und ist ohne sie gar nicht.)
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 133f.
Nota. - Auch dies wieder nichts Neues: Das ideale Handeln wird überhaupt nur möglich als Anschauung eines Gefühls, das wiederum nur infolge eines Widerstands gegen das reale Handeln eintreten konnte. Aus dem In- telligiblen allein lässt sich nicht viel machen.
JE
Donnerstag, 8. Dezember 2016
Der Mensch findet seine Maße in sich selbst.
Beim Messen bin ich der Voraussetzung nach selbst im Raume (ich fühle mich selbst als in den Raum hinein- schauend), breite mich im Raume aus, kann gewissermaßen sage: Ich fühle den Raum, in dem ich bin, unmit- telbar, ich habe also das ursprüngliche Maß im Selbstgefühle.
Denke ich mich nun in einer bestimmten Richtung in den Raum hinein, so setze ich mich zum zweiten, dritten Male und so fort in den Raum: Ich verdoppele, verdreifache und so fort in den Raum mich selbst, und so kommt nach und nach die Linie zustande von mir aus zum Objekt, dessen Entfernung von mir ich wissen will.
Dazu gehört nun, dass Sukzession möglich sei und dass das sukzedierende Mannigfaltige Eins sei; außerdem würde ich mich nicht verdoppeln, sondern würde, wenn ich mich in die zweite Stelle setzte, die erste verlieren. Dies ist nur möglich dadurch, dass das Mannigfaltige in das Verhältnis der Dependenz gesetz werde. Unser Verfahren beim Zählen kann die Sache deutlicher machen. Z. B. wenn ich 3 zähle, so setze ich 1 und 1 und 1, indem ich nun die zweite setze, nehme ich die erste hinzu pp.
Die natürtliche Art, sich im Raume fortzubewegen, ist das Fortschreiten. Durch einen jeglichen Schritt werfe ich meinen ganzen Leib in den zunächstliegenden Raum. Durch halbe Schritte (Schleichen) komme ich nur zum Teil in den nächstliegenden Raum; durch größere (Sprünge) überspringe ich den zunächstliegenden Raum. Daher das Verfahren in der Philosophie, wo man die Mittelglieder auslässt, Sprünge, hiatos genannt werden. Allein diese beiden letzen Schritte sind keine natürlichen. Daher das ursprüngliche Maß bei den Völkern, die Schritte. Durch die ungleiche Größe der Menschen wurde man genötigt, künstlich objektive Maße zu finden.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 133
Nota. - Wir sind hier beim Leib und bei leibhaftigen Schritten; der Begriff ist das Schema auch, nämlich zuerst der empirischen Begebenheiten.
Nota II. - Hat er nun gesagt, der Mensch sei das Maß aller Dinge? - Nicht ganz so; aber darauf läuft es hinaus.
JE
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE.
Mittwoch, 7. Dezember 2016
Ideale Tätigkeit ist das Schema der realen.
Zuvörderst wird für die Möglichkeit eines solchen Messens vorausgesetzt der Gedanke der Fortbewegung im Raume durch absolute Selbsttätigkeit, also der Begriff der physischen Kraft. Ohne ihn ist nichts Bewegliches, denn dadurch entsteht erst das Mannigfaltige, das in der Linie liegen soll.
Wir sehen hier noch bestimmter, was für ein Tun des Ich es ist, dessen Schema nach dem Obigen beschrieben wurde. Das bloße Handeln ist eine absolute Selbstbestimmung, aber wenn man ihm eine bestimmte Richtung gibt, versinnlicht man es.
Zwischem sinnlichem Tun und schematischen ist Wechselwirkung; weil das Tun schematisiert wird, drum ist es sinnlich, und weil es sinnlich ist, drum wird es schematisiert. Der Hauptpunkt, von dem die Wechselwirkung ausgeht, ist die Vereinigung der idealen und realen Tätigkeit durch das Gefühl in einem endlichen Wesen. Durch das Gefühl kündigt sich unsere Endlichkeit an. Die ideale Tätigkeit der Einbildungskraft ist es, durch welches das Intelligible die Ansicht für uns erhält, die es hat.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 132
Nota. - Das Gefühl ist, wie wir längst wissen, der Ausgangspunkt aller Vorstellung. Es entsteht aus realer Tätig- keit und begründet ideale Tätigkeit. Worin besteht die ideale Tätigkeit? Im Schematisieren der realen. Es ist das Begreifen, das durch die Anschauung gegangen ist. Schema ist nichts anderes als Begriff.
Nota II. - Die obige Illustration durch ein Schattentheater hat einen tieferen Sinn: Im Schattenspiel gilt die aus- schließliche Aufmerksamkeit der Handlung selbst: worum es eigentlich geht. Alles zufällige Beiwerk entfällt. Und kann die Aufführung nicht sichtbar machen, worum es geht, dann ist sie verfehlt.
JE
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