Freitag, 24. Mai 2019

Anschauung zweiten Grades.

faszinationmensch

2) Also der hier zu untersuchende Satz ist der: Ich schaue mein eignes Tun an als etwas, das ich vollziehen kann oder nicht. Mein Tun ist logisches Subjekt für das Prädikat der Freiheit. Es ist also mein Tun qualis talis selbst Objekt der Anschauung im weitesten Sinn des Worts, es erhält den Charakter des Objekts als etwas der idealen Tätigkeit Vorschwebendes.

Wie wird nun mein tun als Objekt der Anschauung vorkommen? Kant nennt ein Tun z. B nach dem Gesetze der Kausalität pp. ganz richtig ein Schema, um zu bezeichnen, dass es nicht Wirkliches, sondern etwas durch ideale Tätigkeit zum Behuf der Anschauung zu Entwerfendes sein soll.

Schema ist ein bloßes Tun, und zwar mein notwendiges Tun in der Anschauung.

Also unsere Frage ist, welches ist das Schema des Tuns überhaupt, oder wie fällt ein Tun dadurch, dass es Objekt der Anschauung wird, aus? Hier ist das Objekt aus der Anschauung hergeleitet worden, und das Beweisen aus Begriffen hat hier ein Ende.

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Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 110


 
Nota I. - Nur ein jenseits von Raum und Zeit gedachtes Tun ist als ein Schema darzustellen; und dies zum Zweck der Anschauung : In der Wirklichkeit lässt sich immer nur dieses oder jenes Tun anschauen; wenn ich aber Tun-überhaupt anschauen will, muss ich die Bestimmungen von Raum und Zeit fortlassen - alles, was eine Wirklichkeit als eine solche erst ausmacht.

29. 10. 16



Das Übersinnliche ist Schema des Handelns.



[Kant] sagt, dass unseren sinnlichen Vorstellungen etwas zu Grunde liege, dass es Noumene gäbe; er hat sich nicht ausdrücklich darüber erklart; er nennt es etwas, es ist aber nicht etwas, das Sein hat, sondern Handeln.


Er hat sich nicht auf das Schema für übersinnliche Gedanken eingelassen. Man kann das Übersinnliche nicht erkennen, aber da sie [sic] doch für uns da sind, so müssen sie sich doch erklären lassen. Das Schema fürs Übersinnliche ist das Handeln. [S. 113]


Kant nennt ein Tun z. B. nach dem Gesetze der Kausalität pp* ganz richtig ein Schema, um dadurch zu bezeichnen, dass es nicht Wirkliches, sondern etwas durch ideale Tätigkeit zum Behuf der Anschauung zu Entwerfendes sein soll.


Schema ist ein bloßes Tun, und zwar mein notwendiges Tun in der Anschauung. ...


Die Aufgabe ist: nicht einem bestimmten Tun, z. B. Denken, Anschauen pp, sondern einem Tun überhaupt zuzusehen. Die Aufforderung ist: eine Agilität zu beschreiben; diese kann man nur anschauen als eine Linie, die ich ziehe. Also innere Agilität ist ein Linie-Ziehen. Nun aber ist hier nicht die Rede von einer Agilität, die geschieht, sondern von einer Agilität überhaupt; von einem bestimmbaren, aber nicht bestimmten Vermögen der inneren Selbsttätigkeit und Agilität. So eine Linie ist aber bestimmt der Direktion nach. In dem Vermögen aber müssen alle Linien liegen, das Schema des Tuns muss ein nach allen möglichen Direktionen mögliches Linienziehen sein; dies ist der Raum, und zwar leerer Raum, aber leerer Raum kommt nie vor, es wird immer etwas hineingesetzt. Warum, wird sich zeigen. Hier ist nur vom Tun die Rede, aber auch das bloße reine Tun ist nichts Erscheinendes. [S. 110]
*) für perge perge: und so weiter

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 113; 110 


Nota II. - Gr. schêma heißt Haltung, Gestalt, Figur. F. übernimmt den Begriff von Kant, aber er bestimmt ihn anders, oder richtiger: Er bestimmt ihn, wenn auch so allgemein wie denkbar möglich, während jener ihn ganz unerklärt als bloßen Namen gebraucht für die 'Methode, einem gewissen Begriffe gemäß etwas in einem Bilde vorzustellen'. Immerhin stimmen sie darin überein, dass das Schema ein Bild ist, aber kein von der Einbildungs- kraft angeschautes, sondern ein im Denken vorgestelltes Bild; eine Art Anschauung zweiter Ordnung. Dieses ist das Geheimnis der Noumena, der Dinge-an-sich, des Übersinnlichen überhaupt. Es ist das Geheimnis des dialekti- schen Scheins, wie Kant selber ihn nennt: der Vorstellung, dass den Begriffen eigene Realität zukommt. 

4. 7. 15


Das Schema für das Übersinnliche ist das Handeln (Noumena bei Kant).
s p dass q

Dieser Punkt ist in der Kantischen Darstellung nicht ganz richtig behandelt und hat Veranlassung zu einem System gegeben, wo zwar der Raum apriori sein soll, in welchen aber die Objekte aposteriori hineinkommen sollen. 

Kant behauptet auch, dass die Objekte apriori im Raum sein sollen; er schließt aber indirekt. Der ´Raum ist ihm apriori, er ist ideal, sonach müssen auch die Objekte ideal sein: Kant wollte alles aus Begriffen dartun, drum wird auch seine transzendentale Ästhetik so kurz. Das geht aber nicht, das Vernunftwesen ist nicht nur begreifend, sondern auch anschauend. Er bewies seine Darstellung vom Raum durch Induktion. Kant sagt nicht, dass der Raum gegeben werde; er sagt, dass unseren sinnlichen Vorstellungen etwas zu Grunde liege; dass es Noumene gäbe; er hat sich n icht deutlich darüber erklärt. Er nennt es etwas, es ist aber nicht etwas, das Sein hat, sondern Handeln.

Er hat sich nicht auf das Schema für übersinnliche Gedanken eingelassen. Man kann das Übersinnliche nicht erkennen, aber da sie doch für uns da sind, so müssen sie sich doch erklären lassen: Das Schema für das Übersinnliche ist das Handeln.
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Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 113 


 

Nota III. - 'Übersinnliche Gedanken' sind solche, die sich auf nicht-sinnliche Gegenstände beziehen: auf Vor- stellungen. Vorstellen ist - abgesehen von dem, was vorgestellt wird - Schema des Handelns. Noumena sind Schemata des Schemas des Handelns.

5. 11. 16

Nota IV. - Anschauung von etwas, das nur gedacht wird? Aber es ist der Gedanke von etwas, das tatsächlich angeschaut wurde. Es ist eine Abstraktion; aber nicht die Abstraktion von einer Abstraktion - nicht von einer 'Tätigkeit, die als Ruhe vorgestellt wird', sondern von einer Tätigkeit, die als tätig vorgestellt wird: ein Schema. Eine 'intellektuelle' Anschauung sozusagen.
JE



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