Dienstag, 18. November 2014
Trieb ist Natur.
Meine Natur ist nicht die ganze Natur. Es gibt noch Natur außer ihr, und diese wird eben gesetzt, um die Bestimmung meiner Natur zu erklären. Nun ist meine Natur beschrieben als Trieb; dies muss aus der übrigen Natur erklärt werden und wird ursprünglich wirklich aus ihr erklärt, oder mit anderen Worten, die Bestimmtheit meiner Natur zu einem Triebe ist Resultat der Bestimmtheit der ganzen Natur.
Mir kommt ein Trieb zu, insofern ich Natur bin, nicht inwieweit ich Intelligenz bin, denn die Intelligenz als solche hat, wie wir gesehen haben, auf den Trieb nicht den mindesten Einfluss. Mit dem Begriffe der Natur sonach ist der Begriff des Triebes synthetisch vereiniget, und aus dem ersteren der letztere zu erklären; sonach wird alles, was durch den ersten Begriff gedacht wird, gedacht als Trieb. Alles sonach, was als Natur gedacht wird, wird gedacht als sich selbst bestimmend.
___________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 113
Nota. - Das ist bedenklich. Unter Trieb versteht er die grundsätzliche, jederzeitig Disposition des Ich zur Selbsttätigkeit, durch welche es ein Ich überhaupt erst wird; Tätigkeit als Sein angeschaut.
Faktisch ist es freilich das, was ein menschliches Individuum von den Individuen aller andern Gattungen unterscheidet - sofern es sich dazu entschließt. Genauer gesagt, dass es sich dazu entschließen kann, ist, was es faktisch von Tieren und Pflanzen unterscheidet. Es ist nicht Natur, sondern markiert den Austritt des Menschen aus den Grenzen der Natur. Man darf sogar sagen, unsere Vorstellung von 'Natur' beruht geradezu auf ihrer Entgegensetzung zum Faktum der menschlichen Selbsttätigkeit und Selbstbestimmbarkeit.
PS. Was ansonsten "Naturtrieb" heißen könnte, ist nichts anderes als die Einrichtung einer jeden Gattung in ihrer ökologischen Nische alias 'Umwelt'. Was da 'treibt', ist Stoffwechsel und Fortpflanzung - zum Zwecke der Erhaltung in statu. Und wenn einmal mehr dabei herauskommt, war es das zufällige Spiel von Mutationen und ihren Bewährungen.
JE
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
Montag, 17. November 2014
Freie Wahl.
Hier ist etwas Unbegreifliches; und es kann nicht anders sein, weil wir an der Grenze aller Begreiflichkeit, bei der Lehre von der Freiheit in Anwendung auf das empirische Subjekt, stehen. Nämlich, solange ich auf dem höheren Reflexionspunkte noch nicht stehe, ist er für mich gar nicht da; ich kann sonach von dem, was ich sollte, keinen Begriff haben, ehe ich es wirklich tue. Dennoch bleibt es dabei, dass ich es absolut tun soll; nämlich ich soll es in Beziehung auf / einen anderen Beurteiler, der diesen Punkt kennt, und in Beziehung auf mich, wenn ich ihn einst kennen werde.
___________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre,SW IV, S. 181f.
Nota.
Das ist der verbindende Absatz zwischen dem gestrigen Eintrag und dem vom Vortag. Solange ich 'auf dem höheren Reflexionspunkt noch nicht stehe', ist die Regel der größten Glückseligkeit der natürliche Lebenszweck und ist dem empirischen Subjekt moralisch nicht anzulasten. Anzumuten ist ihm allerdings, auf diesem Standpunkt nicht stehen zu bleiben. Es folgt notwendig die Einsicht, dass das Wesen der Ichheit selbstbestimmen ist. Ob aus der logischen Einsicht eine praktische Lebensführung wird, bleibt immer noch eine Sache der freien Wahl. Die aber ist unbegreiflich.
JE
Sonntag, 16. November 2014
Einen Akt der Freiheit begreifen wollen.
Anders kann es auch gar nicht anders sein; denn ein Akt der Freiheit ist schlechthin, weil er ist, und ist ein absolut Erstes, das sich an nichts anderes anknüpfen und daraus erklären lässt. Lediglich daher, dass man dies nicht bedenkt, entstehen die Schwierigkeiten, welche so viele antreffen, wenn sie an diesen Punkt kommen.
Begreifen heißt, ein Denken an ein anderes anknüpfen, das erstere vermittelst des letzteren denken. Wo eine solche Vermittlung möglich ist, da ist nicht Freiheit, sondern Mechanismus. Einen Akt der Freiheit begreifen wollen, ist also absolut widersprechend. Eben wenn sie es begreifen könnten, wäre es nicht Freiheit.
____________________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 182
Samstag, 15. November 2014
Die Maxime der Glückseligkeit.
Maxime wird etwas erst dadurch, dass ich, empirisches Subjekt, mit Freiheit es mir zur Regel meines Handelns mache.
Welches könnte nun auf dem Reflexionspunkte, auf welchem wir hier den Menschen verlassen haben, seine Maxime sein? Da noch kein anderer Trieb im Bewusstsein vorkommt als der Naturtrieb, und dieser letztlich auf Genuss ausgeht und die Lust zur Triebfeder hat, so kann die Maxime keine andere sein, als folgende: Was der Intension und Extension nach die größte Lust versprich, das muss man wählen; kurz - die Maxime der eigenen Glückseligkeit. Diese letztere mag freilich wohl zufolge der sympathetischen Triebe auch mit in fremder Glückseligkeit gesucht werden; aber es bleibt doch immer die Befriedigung dieser Triebe und die Lust, die aus derselben entsteht, sonach die eigene Glückseligkeit, letztes Ziel des Handelns. Der Mensch wird auf dieser Stufe ein verständiges Tier.
___________________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 180
Freitag, 14. November 2014
Einladung an die Leser.
Ich denke, dieses Blog hat einige Leser gefunden, die meine einfache Schreibweise schätzen, weil sie einen Zugang zu philosophischen Gedankengängen gibt, der sonst oft eher erschwert als erleichtert wird. Offenbar gibt es aber inzwischen auch einige regelmäßige Besucher, die auf didaktische Rücksichtnahme nicht angewiesen sind.
Ich wähle die einfache Art der Darstellung nicht, weil sie einfacher zu verfassen wäre (ist sie nicht).
Vielmehr: Ich bin kein Schulphilosoph, mich beschäftigt Philosophie nach ihrem "Weltbegriff". Für die schulmäßigen Mikrologismen fehlen mir die Geduld und das Talent. Zur Strafe gerate ich ab und zu auf Glatteis. Aber da kommen einem gelegentlich auch gute Einfälle.
Nur ob sie gut sind, kann man selber nicht immer einschätzen.
Ich hoffe zwar stets, dass ich meinen Gewährsmann Fichte richtig verstehe. Doch im Zweifel ist mir an meiner eigenen Erkenntnis mehr gelegen als an philologischer Korrektheit. Ich muss nur Acht geben, dass ich mir nicht die Zügel schießen lasse, und da ist mir dann der wohlwollend kritische Blick des Sachkenners sehr willkommen. Die Leser, die dies Blog regelmäßig verfolgen, wollen sich bitte nicht zurückhalten, wenn ihnen das eine oder andere des Kommentars bedürftig erscheint.
Ich verspreche Ihnen auch, keine frechen Antworten zu geben.
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
Donnerstag, 13. November 2014
Das ganze Ich lässt sich nicht begreifen.
_________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 48
Nota. - Schon der absolute Trieb der Selbsttätigkeit lässt sich nicht begreifen - weil sich Selbsttätigkeit nicht begreifen lässt. Sie gehören zu den Voraussetzungen der WL, die in der WL nicht erkärt werden, weil sie auf ihnen beruht; sie sind Postulat.
JE
Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Mittwoch, 12. November 2014
Bewusst sein heißt nicht vereinigen, sondern spalten.
Die wichtige Einsicht, die wir dadurch erhalten, ist folgende. Wissen und Sein sind nicht etwa außerhalb der Bewusstseins und unabhängig von ihm getrennt, sondern nur im Bewusstsein werden sie getrennt, weil diese Trennung Bedingung der Möglichkeit alles Bewusstseins ist, und durch diese Trennung entstehen erst beide.
Es gibt kein Sein, außer vermittels des Bewusstsein, so wie es außer demselben auch kein Wissen als bloß Subjektives und auf sein Sein gehendes gibt. Um mir nur sagen zu können: Ich, bin ich genötigt zu trennen, aber auch nur dadurch, dass ich dies sage und indem ich es sage, geschieht die Trennung. Das Eine, welches getrennt wird, das sonach allem Bewusstsein zu Grunde liegt, und zufolge dessen das Subjektive und Objketive im Bewusstserin unmittelbar als Eins gesetzt wird, ist absolut = X; kann, als einfaches, auf keine Weise zum Bewusstsein kommen.
_________________________________________________________
Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 5
Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
Abonnieren
Posts (Atom)




