Samstag, 7. März 2015

In der Natur gibt es keine Zeit.



Die Ursache und Wirkung sind gleichzeitig, durch den Begriff der Kausalität entsteht keine Zeit, in der Natur entsteht sonach keine Zeit, die Zeit entsteht nur im Ich, in dem Begriffe der Substanzialität auf das Ich angewendet, in dem Durchlaufen der Handlungsmöglichkeiten durch die Einbildungskraft; dadurch, dass das Objekt  bloß Objekt für das handelnde Ich ist, wird ersteres mit durch die Zeit ausgedehnt. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 224 





Freitag, 6. März 2015

In der Anschauung fühlt das Ich sich nur als tätig.



In der Anschauung fühlt das Ich sich nur als tätig; das Leiden des Ich wird ausgeschlossen, und so wird ein Objekt möglich.

Ich fühle mich beschränkt; von dieser Beschränktheit reiße ich mich nun los. Das Fühlen und Losreißen geschieht in demselben ungeteilten Moment. Die ideale Tätigkeit kann nicht beschränkt werden; wenn nun die reale beschränkt wird, so  bleibt die ideale allein; dieses isolierte Handeln ist Anschauung.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 82





Donnerstag, 5. März 2015

Von Gott gibts keinen Begriff, sondern nur eine Idee.


God's eye (Helix-Nebel)


Kant sagt in seinem Aufsatze Über den vornehmen Ton etc.,* dass man Gott sich mache, allerdings, aber man macht sich auch die Welt, beide sind abhängig von der Vernunft. Nur für die Vernunft gibts eine Welt* und einen Gott, doch gibts zwei beträchtliche Unterschiede zwischen den beiden Vorstellungen.

1. Auf die Vorstellung der Welt muss jeder reflektieren, so gewiss er ist, aber die Vorstellung von Gott setzt schon moralische Bildung voraus. /

2. Die Weltvorstellungen werden durch alle Vernunftgesetze bestimmt, aber nicht die von Gott. Gott kann man nicht bestimmt denken, man kann ihn nur anschauen. Von Gott gibts keinen Begriff, sondern nur eine Idee. 

Kant geht besonders auf Erkennen aus, und Objekt ist ihm, was Gegenstand des Erkennens [sic]. In dieser Rücksicht stimmt die Wissenschaftslehre auch mit Kants Buchstaben überein, und in diesem Sinne sind die Vorstellungen von Gott nicht objektiv. Realität heißt bei Kant, was im Raume ist; dies ist aber Materie, und in diesem Sinn kommt Gott keine Realität zu.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 106f. 

*) Kant, Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie, WW Bd. VI , Frankfurt a. M. 1977


Nota. -  Nur für die Vernunft gibt es eine uns gemeinsame Welt. Die Vorstellung von einer uns gemeinsamen Welt und die Annahme von einem für alle unsere Urteile gültigen Maß gehören zusammen und bedingen ein- ander, sie machen selber die Vernunft erst aus. Aber auch der Unvernünftige - und also ich, sofern ich auch unvernünftig bin - lebt in einer Welt-für-ihn, wenn er sie vielleicht auch nicht anschaut.
JE

Mittwoch, 4. März 2015

Das Ich setzt sich nicht durch Bedürfnis, sondern durch Zweck.


Zeus Artemision

Die Selbstbestimmung durch Freiheit ist nur als Bestimmung zu etwas anschaubar, von welchem das sich selbst Bestimmende oder Praktische einen Begriff habe, der der Begriff vom Zweck heißt. Sonach werde dem Anschauenden das Subjekt des praktischen Vermögens zugleich zu einem Vermögen der Begriffe, so wie umgekehrt das Subjekt des Begriffs oder die Intelligenz notwendig praktisch sein muss. Beides, praktisches Vermögen und Intelligenz, ist unzertrennlich. Eins lässt ohne das andre sich bicht denken. Die Identität beider ist sonach  der Charakter des Ich.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 55 


Nota. -
  Es versteht sich eigentlich von selbst: Wenn die Energie des 'Triebes', der sich als Ich 'setzen' soll, als 'Wollen' bestimmt war, kann das als ein solches gesetzte Ich nur ein Zwecke-Habendes sein. Erwähnt wird es hier bloß, weil seit bald einem halben Jahrhundert die vorbewusste Einstellung sich breit gemacht hat, der Charakter des Ich sei Bedürfnis, und Bedürfnis sei ein Mangel, den es zu befriedigen gilt. Das war - in andern Worten - freilich auch zu F.'s Zeit die herrschende Meinung, aber mit der aufkommenden Romantik begann sie, als philiströs zu gelten.

JE



Dienstag, 3. März 2015

Wollen ist sinnlich, das reine Wollen ist bloß Erklärungsgrund.



Myron

Wollen ist zuförderst ein selbsttätig Bestimmen, alles Bestimmen ist durch die Einbildungskraft vermittelt, es ist ein tätiges Bestimmen zu einem Zweckbegriffe. Sonach ist der ganze Begriff des Wollens sinnlich, alles Wollen ist Erscheinung, das reine Wollen wird bloß als Erklärungsgrund vorausgesetzt, es ist in unserer Vor- stellung und Sprache nicht zu fassen. - 

Absolute Selbstheit, Autonomie, Freiheit, alles ist gleich unbegreiflich. Die Freiheit lässt sich nur negativ be- schreiben, durch nicht-Bestimmtwerden.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 213



Montag, 2. März 2015

Die intellektuelle Anschauung wird nicht, sondern ist.



Wie finde ich mich, wie werde ich mir gegeben? Denn das Denken ist ein idealer Akt, welcher sein Objekt als gegeben voraussetzt.

...Dieses Denken bezieht sich auf eine intellektuelle Anschauung, / und dies muss hier näher bestimmt werden. Was ist denn nun die intellektuelle Anschauung selbst, und wie entsteht sie?

Entstehen ist ein Zeitbegriff, ein Sinnliches, aber die intellektuelle Anschauung ist nicht sinnlich, sie entsteht also nicht, sie ist; und es kann nur von ihr gesprochen werden im Gegensatz [zu] der sinnlichen.

Zuförderst kommt die intellektuelle Anschauung nicht unmittelbar vor, sondern sie wird in jedem Denktakte nur gedacht, sie ist das Höchste im endlichen Wesen. Auch der Philosoph kann sie nur durch Abstraktion und Reflexion zustande bringen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 141f.







Sonntag, 1. März 2015

Fichtes kategorischer Imperativ.



Die Schwierigkeit war eigentlich, ein Wollen zu erklären ohne Erkenntnis des Objekts. Der Grund der Schwierigkeit lag darin, dass das Wollen nur betrachtet wurde als ein empirisches, als ein Übergehen vom Bestimmbaren zum Bestimmten. 

Diese Behauptung ist nur geleugnet worden; es ist ein Wollen postuliert worden, das die Erkenntnis des Objekts nicht voraussetzt, sondern schon bei sich führet, das sich nicht auf Beratschlagung gründet, und dadurch ist nun die Schwierigkeit völlig gehoben.

Das reine Wollen ist der kategorische Imperativ; es wird aber hier nicht so gebraucht, sondern nur zur Erklärung des Bewusstseins überhaupt. Kant braucht den kategorischen Imperativ nur zur Erklärung des Bewusstseins der Pflicht.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 143