Samstag, 14. März 2015

Der Anfang ist eine Aufgabe, die nie bewältigt sein wird.


...nämlich bei aller Bemühung können wir die Untersuchung über die Hauptsynthesis niemals erschöpfen; wir können sonach nimmermehr das Bestimmte und Bestimmende als eins anschauen, weil beides in der Synthesis auseinander liegt. Beides als eins zu denken ist bloße Aufgabe. Dieses Bestimmen und Bestimmtsein ist in der Hauptsynthesis eins, diese aber können wir nicht fassen. 

Die Philosophie hebt notwendig an mit einem Unbegreiflichen, mit der ursprünglichen Synthesis der Einbil- dungskraft, ebenso mit einem Unanschaubaren, mit der ursprünglichen Synthesis des Denkens, dieser Akt ist nicht zu denken noch anzuschauen. Es lässt sich auch also noch bloß als Aufgabe aufstellen, alles Übrige ist erreichbar, da es in der Erfahrung vollzogen wird.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 217


Nota. - Mit andern Worten, die ganze Wissenschaftslehre ist gar keine Lösung, sondern ein Problem.
JE



Freitag, 13. März 2015

Der Anfang ist unbegreiflich.



Dies sich-Bestimmen ist der absolute Anfang alles Lebens und Bewusstseins, eben deshalb ists unbegreiflich, weil unser Bewusstsein immer etwas voraussetzt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 208










Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Donnerstag, 12. März 2015

Einbildungskraft ist das Vermögen, das Bestimmbare aufzufassen.


Markus Hoffmann, pixelio.de

... hier* vereinigt die Einbildungskraft absolut das unendlich Teilbare der Handlungsmöglichkeiten; sie ist das Vermögen, das Bestimmbare zu fassen, welches das Denken nicht kann, da es bloß diskursiv ist;** aber es gibt ein besonderes Vermögen, das Entgegengesetzte zu fassen, die Einbildungskraft. 

Die Vermögen des Ich müssen selbst deduzieret werden, so muss hier bewiesen werden, dass Einbildungskraft ist; dies ist hier deduziert, weil kein Bewusstsein und kein Ich [ist], wenn nicht ein Übergehen vom Bestimmba- ren aus ist, wenn nicht ein Bestimmbares für uns ist; dass es eine Einbildungskraft gebe, ist dadurch notwendig.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 202


*) [in der Vorstellung vom Raum.]
**) =weil es nur mit Bestimmtem operiert.





Mittwoch, 11. März 2015

Das Ganze und die Teile, oder Einbildungskraft und Urteilskraft.


Akrothera-Mechanismus

(Wo gehe ich an, wo geht mein Machen an? Ich finde mich nur als das Bestimmte. Dieses setzt ein Bestimmba- res voraus, das uns die Einbildungskraft liefert; mein Machen setzt immer diese und ihr Produkt vorheraus [sic], und daher kommt es, dass uns immer etwas als gegeben erscheint, daher eine Objektivität  der Welt;) so erscheint uns die Einbildungskraft notwendig als ein Gegebenes.

Das Objekt der Einbildungskraft ist teilbar ins Unendliche; diese Teilbarkeit ruht nicht als immanente Eigen- schaft in dem Bestimmbaren als An-sich; denn dieses ist meine Einbildungskraft selbst, welche bloß zusam- menfasst, es heißt also bloß: das durch die Einbildungskraft Gelieferte wird hinterher geteilt durch die Urteils- kraft; jedenfalls wird sie [die Teilung] gesetzt als vorzunehmend. 

Eigentlich ist also eine Wechselwirkung zwischen Einbildungskraft und Urteilskraft; beide sind nur durch einander zu beschreiben. Man könnte daher sagen: Die Einbildungskraft ist das Vermögen absoluter Ganzen, die Urteilskraft ist das Vermögen des Einfachen, beides steht in Wechselwirkung; kein Einfaches ohne Ganzes, kein Ganzes ohne unendliches Einfache.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 203


Nota. - Das Ganze ist ein abgeschlossenes Unendliches; eine paradoxe Vorstellung mit andern Worten; ein unendliches Problem. 
JE




Dienstag, 10. März 2015

Die Einbildungskraft ist absolut produzierend in Rücksicht des Stoffs.


A. Dreher, pixelio.de

Ich schaue mich an als einbildend, und da hindurch schaue ich ein Bestimmbares. In sofern ist die Einbildungskraft absolut produzierend in Rücksicht des Stoffs, so wie überhaupt das Ich produzierend ist, und endlich: das Objekt der Einbildungskraft ist das Bestimmbare, dasjenige, was alle Tätigkeit im Bestimmen, die doch dem Ich allein zugeschrieben wird, bedingt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 203


Nota. - Der Stoff ist das Quale, die Washeit. Dass er da ist, ist dem Ich als Bedingung seines Tätigwerdens gegeben. Was er ist, muss es sich einbilden.
JE




Montag, 9. März 2015

Bewegung ist Tat, Lebendigkeit.



Die ganze Sache ist, dass wir die unendlichen Punkte in einem einzigen synthetischen Satz gefasst haben. Alle unsere Vorstellungen sind Vorstellungen von Verhältnissen, aber zuletzt müssen wir doch auf ein zu Grunde liegendes kommen; dies ist aber nicht an dem, wir kommen auf eine Ursprüngliches, was unendlich auffasst. 

Also die Intelligenz hat das Vermögen, entgegengesetzte Dinge in einem Akte zu fassen, oder sie hat Einbil- dungskraft, ursprüngliche Synthesis des Mannigfaltigen. Das Aufgefasste ist nur entgegengesetzt, man kann mit dem Verstande unendlich teilen, aber es wird / doch aufgefasst; in sofern ist die Einbildungskraft produktiv. 

Aber hauptsächlich: wie wird durch dieses Auffassen der Einbildungskraft Bewegung möglich; der Akt der Einbildungskraft ist Zusammenfassen des Mannigfaltigen hier, ein sukzessives Anreihen unendlicher Punkte, die erst hinterher durch Analyse unterschieden werden; damit wird ein Einfaches, eine Kraft vereinigt, die eben deswegen bloß gedacht wird, bloßes νουμενον ist, diese Kraft wird durch die ganze Reihe hindurchgeschoben als Bewegung, und diese Bewegung ist stetig. Bewegung ist Tat, Lebendigkeit.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 201f. 



Nota. - Hans Vaihinger hätte hieran viel Freude gehabt.
JE. 








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Sonntag, 8. März 2015

Es wird in das Ich nichts Fremdartiges hineingetragen.



Das Ich ist ursprünglich sich selbst setzend, wenn aber seine Tätigkeit nicht beschränkt würde, so könnte es sich nicht selbst setzen, soll Reflexion möglich sein, so muss die / ursprüngliche Tätigkeit beschränkt sein. NichtIch stößt nicht auf das Ich, sondern das Ich in seiner Ausbreitung auf NichtIch.

... es wird in das Ich nichts Fremdartiges hineingetragen. Von der Welt geschehen keine Eindrücke, es kommen keine Bilder hinein. Im Entgegengesetzten ist keine Kraft, die sich auf das Ich fortpflanzt, sondern es ist die Beschränkung im Ich, und der Grund, warum es etwas setzt, liegt in ihm. -

Kraft kommt ursprünglich dem NichtIch nicht zu, sondern nur Sein. Das NichtIch fängt nicht an, es ist nur verhindernd, aufhaltend. Das Ich kann nicht zum Bewusstsein kommen, wenn es nicht beschränkt ist; der Grund der Beschränkung liegt außer ihm, aber der Grund der Tätigkeit liegt in ihm. 

Ich bin ursprünglich beschränkt, auch ist in mir ursprünglich ein Mannigfaltiges von Gefühlen, dies kann ich nicht ändern, es ist die Bedingung alles meines Seins, darüber kann ich nicht hinaus. Dies ist der Punkt, auf dem ich mich finde. Ich bin nur frei und kann in dieser Sphäre alles machen, was ich will, wenn eine Zeit ohne Ende gegeben ist.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 73f.








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