Samstag, 7. Februar 2015

Ein allgemeines Ich, ein allgemeines Nichtich?



Wie die Welt zum allgemeinen Nichtich wird, wird die Reihe vernünftiger Wesen zum allgemeinen Ich. Allerdings nur ideal. Wie die wirklichen vernünftigen Wesen 'die ganze Welt' nicht zum allgemeinen Gegenstand ihrer rea- len Tätigkeiten machen können, so auch nicht reell zum Gegenstand ihrer idealen. Nur ideal in der Spekulation der Philosophen.*

Im reellen Vorstellen wird die Welt nur summativ, nur kollektiv zu einem Etwas: Alles, was die Leute sich tat- sächlich darunter immer vorstellen; und was nicht, das nicht. In der Spekulation ist die Welt abstraktiv der In- begriff von allem, was begründet vorstellbar wäre. Dazwischen mögen Welten liegen. - Und so ist auch das all- gemeine Ich nie real, sondern immer nur problematisch: Es ist auf dem Wege, sich herzustellen - oder auch nicht.

*) Und darum kann 'die Philosophie' zur Kosmologie gar nichts beitragen; und vice versa.







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Freitag, 6. Februar 2015

So und nicht anders.



Ein bestimmtes Quantum jener Beschränktheit gibt ein bestimmtes Quantum Anschauung. Wird der Grund be-/schränkt, so wird es auch das Begründete. (Ich bin in der Anschauung beschränkt heißt: Ich bin in der Vor- stellung Y gebunden, das Mannigfaltige darin so zu ordnen und nicht anders; jede Beschränktheit erregt ein Gefühl, sonach auch die Beschränktheit der idealen Tätigkeit in Y).
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 94f.


Nota. - An diesem Punkt wird die sinnliche, gegenständliche, "reale" Welt objektiv, und nur weil sie es ist, näm- lich ideal, kann sie zu einem gemeinsamen Gegenstand für mich und die 'vernünftigen Wesen außer mir' wer- den. Es ist die materielle Welt, die die ideelle Mitteilung über sie möglich macht, nicht umgekehrt. Das ist der Standpunkt des transzendentalen Idealismus.
JE



Donnerstag, 5. Februar 2015

Ich und Nichtich sind vereint im Selbstgefühl.




Die oben geschilderte Anschauung Y ist hier das Begrenzende selbst, es ist eine Handlung des Ich, die An- schauung des Dinges. Aus dieser Begrenzung, bezogen auf das wirkliche Ich, entsteht ein Gefühl, da aber kein Gefühl ohne Anschauung ist, so entsteht sogleich die Anschauung dieser begrenzten Anschauung. Die erste Anschauung ist die des Ich, die letztere die des NichtIch. 

Hieraus entstehen folgende synthetische Sätze: Keine Anschauung des NichtIch (äußere) ohne Anschauung des Ich (innere) und vice versa. Keines aber von beiden ist möglich ohne das Selbstgefühl, in welchem beide vereinigt sind und in welchem sich der notwendige Zusammenhang von beiden zeigt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 93


Nachtrag. - Dieser Absatz steht im Text vor dem gestrigen Eintrag zum fortwährenden Denkzwang, der seinerseits erst verständlich macht, wie die unentwegte Wechselbestimmung nicht nur dieses Ich und dieses Nichtich immer enger aneinander führt; sondern auch: weshalb sich zwei Iche an demselben Nichtich ganz nahe kommen. Beide führen ihr Wollen immer bestimmter auf den Gegenstand zu, der Widerstand, die "Begrenzung", die er ihnen entgegensetzt, wird immer spezifischer. 'Identisch' muss da gar nichts werden, an Begriffen ist nichts gelegen, die Wissenschaftslehre ist empirisch, pragmatisch, sinnlich und was immer man will. Dass zwei Iche bei der Bestimmung dieses einen Nichtichs einander ganz nahe kommen, reicht in der Wirklichkeit völlig aus, damit sie einander als Glieder in einer 'Reihe vernünftiger Wesen' vorkommen. (Und schon gar, wenn dies, wie in  der bürgerlichen Gesellschaft, zur alltäglichen Norm wird.)

Im 'Naturrecht' hat F. die 'Reihe vernünftiger Wesen' postuliert, um die Vernünftigkeit selber möglich zu machen. Wie aber die Reihe vernünftiger Wesen selber möglich ist, zeigt dieser Abschnitt: Stein des Anstoßes ist die Wirklichkeit.
JE







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Mittwoch, 4. Februar 2015

Fortwährender Denkzwang.


Die Begrenztheit, von der hier die Rede ist, ist der Denkzwang, etwas gerade so und nicht anders vorzustellen. Ich kann kein Ding außer mir bemerken, ohne mich selbst zu bemerken als bemerkend. Aber dass ich mich bemerke, hängt davon ab, dass ich ein Ding außer mir bemerke, weil ich dadurch beschränkt werde. Kein Ich ohne NichtIch und umgekehrt. -

Die Anschauung beider steht sonach in Wechselwirkung, eine ist nicht möglich ohne die andre; die eben aufgestellte Wechselwirkung dauert immer fort, wird nur weiter bestimmt. Hier ist die oben unbeantwortet gebliebene Frage: Wie kann das Ich in der Anschauung sich selbst fühlen? Antwort: inwiefern es gezwungen, beschränkt ist. ...

Wird die reale Tätigkeit des Ich beschränkt, so entsteht notwendig, da die ideale Tätigkeit immer bleibt, eine / Anschauung, vor der Hand nur die des Beschränkenden. Dieses ist sonach ein ganz bestimmter Zustand des Ich. Von ihm aus kann eine genetische Einsicht in das jetzt Gesagte gegeben werden. An diesem Zustande soll eine Veränderung erfolgen, wie und woher wissen wir nicht, wir haben es wirklich postuliert. Das Ich wird durch diese Veränderung in seiner Beschränktheit beschränkt. Oben war das Ich das Beschränkte, hier wird dieses Beschränkte beschränkt. Im ersten Zustand ... ist das Ich und es ist irgendetwas, es ist fixiert, gehalten. Ein bestimmtes Streben in ihm, weil es beschränkt ist, oder Tätigkeit ist in ihm negiert, welches der Charakter des Seins ist.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 93


Nota. - Der Denkzwang ist: sich fortwährend weiterbestimmen zu müssen. So wird es immer enger für das Ich wie für das Nichtich.
JE





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Dienstag, 3. Februar 2015

Reflexion der Reflexion.



Sonach wäre der Zustand des Ich: Ich fühle mich begrenzt; aber das, in Rücksicht dessen ich mich begrenzt fühle, ist eine wirkliche, aber ideale Tätigkeit. Inwiefern es Tätigkeit ist, kann ich es nur anschauen, dies gibt die Anschauung X. Inwiefern sie aber beschränkt ist, fühle ich sie, dies gibt das / Gefühl Y; beide, X und Y, sind unzertrennlich miteinander verbunden, eins kann ohne das andere nicht sein.

Das Gefühl der idealen Tätigkeit ist nicht möglich und die ideale Tätigkeit kann nicht da sein, wenn sie nicht beschränkt ist. Diese Beschränktheit ist die Anschauung Y; das, was im im Gefühle beschränkt wird, ist das Reale des Ich, aber sobald das Reale beschränkt ist, tritt die ideale Tätigkeit wieder ein, und dies ist das in der Anschauung X Tätige. Wir haben hier wieder eine Synthesis, wie oben in der Anschauung überhaupt.

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 92f.


Nota. - Was hier so sehr nach Haarspalterei aussieht, wird sich als notwendig erweisen, um zu verstehen, warum das Ich das, was es denkt, so denken muss (und gegebenenfalls ein anderes Ich ebenso). Dass also zwei freie Intelligenzen einander verstehen können.
JE




Montag, 2. Februar 2015

Mich anschauen als einen Anschauenden.



Die Anschauung X wird die meinige durch ein unmittelbares Gefühl; so nicht die Anschauung Y, diese geht durch X hindurch und müsste da an sie geknüpft werden, wenn sie die meine heißen sollte. In der Anschauung X müsste die Anschauung Y notwendig enthalten sein als ein notwendiger Bestandteil, so dass X und Y nicht getrennt werden können.

Y müsste durch X hindurchgeführt werden, und dies könnte nur so geschehen: dass die ideale Tätigkeit in Y beschränkt wäre, gerade so zu bilden und nicht anders; dadurch allein würde auch das Gefühl dessen, was Y anschaut, möglich. Denn jedes Gefühl ist Begrenztheit, und hier wäre denn Gefühl einer wirklichen Begrenzt- heit, aber einer idealen. Dadurch würde auch die Tätigkeit in X anschaubar, sie würde objektives [sic], dass sie begrenztes Quantum ist.

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 92




Sonntag, 1. Februar 2015

Die Dauer des Ichs.



Jenes Dauernde ist nichts anderes, als das in allem Wechsel vorstellende Ich als das Handelnde, aber es erscheint talis qualis nicht, es erscheint objektiv, weil es in die Anschauung hereinfällt. So ists in der Anschauung X. Es sind die entgegengesetzten Gefühle A und B, diese vereinige ich in mir, mich also müsste ich anschauen, und diese Anschauung würde mir den Boden geben, auf den ich A und B auftragen könnte. Es ist nun die Schwierigkeit, wie Tätigkeit talis qualis angeschaut werden könne. In der Anschauung X schaut das Ich sich selbst an, als das in beiden Fällen A und B Tätige, dies Resultat ist noch Problem.

Überhaupt eine bestimmte Tätigkeit ist die dem Ich in X zugeschriebene allerdings, denn es ist die Anschauung von Y als eines das Ich überhaupt Begrenzenden. Die vorausgesetzte Begebenheit kurz ausgedrückt heißt: Ich schaue mich an in X als anschauend Y; ich soll sonach in beiden Anschauungen mich finden als dasselbe Ich, beide müssten sonach in einem Dritten vereinigt werden.

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 92








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