Mittwoch, 23. Januar 2019

Verbürgt uns der Denkzwang die Wahrheit des Denkens?


Der vorgestrige Eintrag, wonach im Denkzwang, in wiefern er dem freien Vorstellen einen Widerstand entge- gensetzt, reale und ideale Tätigkeit nicht unterschieden werden können, erscheint maßlos trivial: Dann verbürg- te uns das geordnete Denken Wirklichkeit und Wahrheit der Welt - schlicht und einfach so, wie es sich der ge- sunde Menschenverstand immer vorgestellt hat. Kants Kopernikanische Wende wäre ganz überflüssig gewesen.

Das ist natürlich Unfug. Denn auch die 'reale' Tätigkeit ist nichts anderes als Vorstellung. Weshalb es uns so scheinen muss, als ob der uns durch ein Gefühl verbürgte Gegenstand auch außerhalb unserer Vorstellung 'da' sei, wollte die Wissenschaftslehre erklären und hat sie erklärt. Dass das Vorstellen nicht gegen die von ihm durch das Vorstellen selbst gegebenen Regeln verstoßen kann, ist dazu nur ein logisches Korrelat ohne eigenen sachlichen Gehalt. Wäre es anders, herrschte in unsern Köpfen alleweil Karneval in Rio, und keine zwei Leute könnten ein vernünftiges Wort miteinander wechseln. 

Von irgendwas muss die Philosophie ausgehen, und seien es auch nur die historischen Tatsachen. Den unver- meidlich dem gesunden Menschenverstand unterlaufenden dogmatischen Fehlschluss kann sie erklären, aber nicht verhindern.

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