Mittwoch, 14. Mai 2014

Nur die Vernunft IST.


jürgen huefner

Jener ewige Wille ist also allerdings Weltschöpfer, so wie er es allein seyn kann, und wie es allein einer Schöpfung bedarf; in der endlichen Vernunft. Diejenigen, welche ihn aus einer ewigen trägen Materie eine Welt bauen lassen, die dann auch nur träge und leblos seyn könnte, wie durch menschliche Hände verfertigte Geräthe – und kein ewiger Fortgang, einer Entwickelung aus sich selbst, oder die es sich anmuthen, das Hervorgehen eines materiellen Etwas aus dem Nichts zu denken, kennen weder die Welt, noch Ihn. 

Es ist überall Nichts, wenn nur die Materie Etwas seyn soll, und es bleibt überall und in alle Ewigkeit Nichts. 

Nur die Vernunft ist; die unendliche an sich, die endliche in ihr und durch sie.
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Die Bestimmung des Menschen, SW II, S. 304


Nota.

Das ist nun wirklich ein Salto rückwärts. Aus einem praktischen Motiv postuliert er ein theoretisches Sein. Was Kant vorn herum "ein für allemal" aus dem Denken verbannt hatte, eine "konstruierende Metaphysik", führt er hintenrum wieder ein. Vernunft-Wille-Sein wird nachträglich der Wissenschaftslehre als ursprünglich Absolutes zu Grunde gelegt; aus der Transzendentalphilosophie wird ein dogmatischer Spiritualismus - ein umgekehrter Spinozismus, wie Jacobi* ihm auf den Kopf zugesagt hatte. In den späteren Darstellungen der Wissenschaftslehre wird er ihn ausführen.
JE

*) Jacobi an Fichte, Hamburg 1799, S. 4

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