Freitag, 6. November 2015

Man muss die Jungen früh zum Selberdenken verleiten




...bei jungen Leuten ists nicht leicht der Fall, dass ihr Kopf schon in Falten eingezwängt sei und dass sie daher zum Selbstdenken unfähig seien. Man kann zum Selbstdenken anführen dadurch, dass man Stoff gibt, worüber gedacht werden soll, dass man vordenkt und dadurch zum Nachdenken erwecke.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 22 










Nota. 
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Experimentell philosophieren.


In diesem Collegio wird experimentiert, das heißt die Vernunft wird gezwungen, uns auf gewisse planmäßige Fragen zu / antworten, die Resultate unserer Experimente fassen wir dann in Begriffe zum Behuf der Wissen-schaft und des Gedächtnisses.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 34f.



Nota. - Aber nicht erst der Vortrag der Wissenschaftslehre, sondern sie selbst geht "experimentell", nämlich phänomenologisch vor.
JE








Nota. 
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Donnerstag, 5. November 2015

Idealistischer Pragmatismus.




J. G. Fichte dagegen könnte man geradezu einen idealistischen Pragmatisten nennen. Ist doch auch ihm die Welt an erster Stelle das "Material unserer Pflicht"; ordnet doch auch er die Idee der Wahrheit der des Guten unter und lässt doch auch er die theoretische Vernunft in die praktische aufgehen. 
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Max Scheler, Erkenntnis und Arbeit, in Die Wissensformen und die Gesellschaft, Bern 1980, S. 223









Nota. -  "Idealistischen Pragmatismus" hat Hans Vaihinger im Untertitel zur Philosophie des Als Ob seine eigene Lehre genannt.
JE



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Mittwoch, 4. November 2015

In der Philosophie kommt kein Faktum, keine Erfahrung vor.


Dieses Faktum* enthält die ganze Erfahrung, aus diesem geht man heraus, mithin auch aus der gesamten Erfahrung heraus. Und dies ist Philosophie und nichts anderes.

Der Grund liegt nicht innerhalb des Begründeten, mithin außerhalb der Erfahrung, und die Philosophie, die den Grund der Erfahrung aufstellt, erhebt sich über dieselbe. Physik ist der Umkreis der Erfahrung; die Philo-sophie, die sich drüber erhebt, ist also Metaphysik. In der Philosophie kommt kein Faktum, keine Erfahrung vor.

Dieser Satz findet in der neueren Zeit Widerspruch, wo man von Philosophie aus Tatsachen spricht. Die Philo-sophie und alles, was in ihr vorlommt, ist Produkt des reinen Denkvermögens. Sie ist nicht selbst Faktum, sondern sie soll das Faktum, die Erfahrung begründen.

*) [dass wir nämlich das Weltsystem als zufällig und "anders sein könnend" vorstellen]
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 13

Nota. - Nicht verwechseln: In der Philosophie kommen Fakten nicht vor; aber von einem Faktum geht sie aus. 

JE







Nota. 
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Im Übrigen bitte ich zu entschluldigen, dass es zum Text gar nicht passt. Doch Nicht-Faktisches lässt sich im (analogen) Bild  nicht veranschau-lichen, sondern nur im (digitalen) Begriff aussagen,
JE

Dienstag, 3. November 2015

Das Bestimmende war vorher ein Bestimmbares.



Das Mannigfaltige soll aber nicht nur überhaupt im Bewusstsein vereinigt werden, sondern es soll auch als Wirkung einer einzigen ungeteilten Willensbestimmung gedacht werden, denn nur so wird Kausalität des Willens gedacht.

Diese geforderte Vereinigung ist nur dadurch möglich, dass jedes Einzelne in der ganzen Masse betrachtet werde als bedingt durch das Andere und bedingend ein gewisses Drittes. Jedes mögliche B, das man auffasst, muss angesehen werden als bedingt durch A (umgekehrt könnte A wohl sein, wenn B nicht wäre, B bedingt nicht umgekehrt A, so wie sich A verhält zu B, so B zu C und so fort) und bedingend ein gewisses C. B muss so angesehen werden, dass es nicht sein könnte, wenn nicht ein gewisses A vorausgegangen wäre, und so fort. Dies Verhältnis ist das der Dependenz. Also das Mannigfaltige steht im Verhältnis der Dependenz und kommt dadurch in eine / Reihe. Das beste Beispiel dazu ist Fortbewegung eines Körpers im Raum.

Der Körper stehe in A; ich bewege ihn fort bis in B, in B würde er nicht sein, wenn er nicht in A war, aber es wird nicht gesagt, dass er notwendig aus A in B fortbewegt werden müsste. Jedes vorhergehende Glied verhält sich zu dem folgenden wie das Bestimmbare zum Bedingten (oder Bestimmten), nicht aber wie das Bestim-mende zum Bestimmten.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 129


Nota.  Das ist keine Physik. Hier geht es um die Genesis der Vorstellungen  die Entstehung Dieser aus Jener. Unter der Voraussetzung der Freiheit des Willens lässt sich aus dem Bedingten die Bedingung rekonstruieren: Dieses war nur möglich, wenn vorher Jenes geschehen ist. Das ist der erste, analytische Gang der Wissen-schaftslehre. Der zweite, synthetische Gang muss ihn bewähren.
JE



Montag, 2. November 2015

Sinnlichkeit ist Bedingung des Bewusstseins.




Ist kein Ich für das Ich, so ist kein NichtIch und kein Bewusstsein. Aber die Anschauung und der Begriff des Ich sind nicht möglich ohne Veränderung des Gefühls: Wechsel des Gefühls ist sonach Bedingung des Selbst-bewusstseins und talis qualis zu postulieren. Ein solcher Wechsel des Gefühls, den wir oben problematisch an-genommen haben, muss also notwendig angenommen werden.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 96


Nota. – Ist das trivial? – Es ist heute immer weniger selbstverständlich, dass sich ein Student der Philosophie selbst damit beschäftigt, was vor seiner eignen Ankunft auf der Welt schon gedacht wurde. Es könnte ihm zu Ohren gekommen sein, dass 'der Idealismus alles auf das Denken zurückführt'. Ja, und dann erscheint ihm obige Stelle nicht trivial, sondern sehr verwunderlich.
JE






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Sonntag, 1. November 2015

Wollen ist die Synthesis des Denkens mit dem Sein.


M

Ichheit besteht in der absoluten Identität des Idealen und Realen, sie ist eine Intelligenz außer dem entstehen-den Bewusstsein nur für den Philosophen; aber wie wird sie für das Ich, das wir konstruieren? Wie kommen wir dazu, den absolut unmittelbaren, den ersten Punkt desselben aufzuzeigen? Jetzt ist die Rede vom Formalen. –

Ich finde mich, heißt: Das Ideale und Reale wird gefunden als identisch. Oder. Es entsteht mit im Denken ein Sein durchs Denken und durchs Sein ein Denken. Durchs Denken entsteht ein Sein heißt: Ich denke, und es wird. Dadurch wird also der Wille ausgedrückt, der denn doch ein bloßes Denken ist und in dem sich durch diese Synthesis des Denkens mit dem Sein das Denken in die Erscheiung des Wollens verwandelt. Aus diesem hervorgebrachten Sein entsteht ein anderes Denken; ich nehme das Sein unmittelbar wahr.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 182


Nota. – Das Ich ist 'an sich' nur für den reflektierenden Philosophen. Für sich, nämlich seiner-selbst bewusst, kann auch das Ich nur durch Reflexion werden. Es handelt zuerst real, dadurch entsteht ihm ein Sinnliches, aber 'es selbst' entsteht ihm erst, wenn es sich denkend auf den Handelnden zurückwendet. – Das kann es nur durch Frei-heit; und kann wohlbemerkt auch darauf verzichten.

Nota II. – Lediglich ein Wollen entsteht aus der Synthesis mit dem Sein, nicht etwa ein real Seiendes!
JE