Mittwoch, 31. August 2016

Das Gefühl ist faktisch das erste Ursprüngliche.



5.) Was ist das nun für eine Bewusstsein, das mit dem Triebe ver-//68//knüpft werden soll? Mit dem Bewusst- sein, das wir bisher kennen, mit der Anschauung verhält es sich so: Wir erblicken in ihr Reales und Ideales getrennt; das erstere hat sein vom Idealen unabhängiges Sein, das letzte sieht nur zu. Bei dem Bewusstsein, von dem wir hier reden, kann dies der Fall nicht sein, es gibt hier kein reales Sein, es wird nicht gehandelt, sonach müsste hier Ideales und Reales zusammenfallen; das Ideale wäre hier sein eigner Gegenstand, kein unmittelba- res Bewusstsein, und dieses ist ein Gefühl. Man fühlt kein Objekt, das Objekt wird angeschaut.

Jedes Objekt, sogar ein Handeln, soll etwas sein, ohne dass ich mir desselben bewusst würde. Der transzenden-tale Philosoph erinnert freilich, dass etwas ohne Bewusstsein nicht sein könne, aber der gemeine Menschenver- stand sieht dies nicht so an. Man unterscheidet Handeln und Bewusstsein. Ein Gefühl ist aber gar nicht, ohne dass gefühlt werde, die Reflexion ist mit dem Gefühl notwendig und unzertrennlich verbunden. Das Gefühl ist ein bloßes Setzen der Bestimmtheit des Ich.

Wir haben nun ein mittelbares Bewusstsein eines unmittelbar Materialen, welches wir bedurften. Oben suchten wir das formale [Bewusstsein], wir kamen auf ein Subjekt-Objekt, auf ein sich-selbst-Setzen. In diesem Gefühle, wie sich weiter unten zeigen wird, kommen Ich und NichtIch zusammen vor, und zwar nicht lediglich zufolge der Selbstbestimmung, sondern in einem Gefühle.

Im Gefühle ist Tätigkeit und und Leiden vereinigt; in wiefern das erste vorkommt, hat es Beziehung auf das Ich; in wiefern aber das zweite vorkommt, auf ein NichtIch, aber im Ich wird es gefunden, das Gefühl ist faktisch das erste Ursprüngliche. - 

Man sieht hier schon, wie alles im Ich vorkommen kann und dass man nicht aus dem Ich herauszugehen braucht. Man brauche nur eine Mannigfaltigkeit von Gefühlen anzunehmen, und es würde sich leicht zeigen lassen, wie man die Vorstellungen von der Welt davon ableiten könnte.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 67f.




Nota. - Ich bin nicht sicher, dass ich das richtig verstehe: '...und dieses ist ein Gefühl'? - 

Zwar erscheint dem Transzendentalphilosophen das reale Objekt nur vermittelt: als Widerstand gegen die Tätigkeit des Ich; aber überhaupt erst so erscheint es dem Ich selber: "Man fühlt kein Objekt, das Objekt wird angeschaut." Das Unmittelbare für das Ich ist ein mehrfach Vermitteltes für den ('objektiven') Betrachter: die Anschauung einer Anschauung; der Widerstand ist mit der idealen Tätigkeit synthetisch vereinigt, und es ist diese Synthesis, die wiederum zum Objekt idealer Tätigkeit wird: Hier sind "Tätigkeit und Leiden vereinigt", "und dieses ist ein Gefühl". Was vorher ein Ideales war, wird hier zum Realen, Ich und NichtIch "kommen zusammen vor", das Ideale wird sich selbst zum Gegenstand.

Das erweist sich beim näheren Hinsehen alles als weniger schwierig, als es zunächst scheint. Wirklich verwir- rend ist aber dies: als Gefühl tritt dieses mehrfach Vermittelte in intime Nachbarschaft zu 'Rot, Blau, Süß und Sauer'. Das war es, was uns bislang als "unmittelbares Bewusstsein eines unmittelbar Materialen"* vorgestellt wurde: als die Grenze des Ich. Hier aber ist es eine ideale Tätigkeit, wie sie von der idealen Tätigkeit angeschaut wird.

An dieser Stelle muss ich mich wohl erinnern, dass in den Rückerinnerungen...** - aber sonst nirgends - von einem intellektuellen Gefühl die Rede war: "Es ist das unmittelbare Gefühl der Gewissheit und Notwendigkeit eines Denkens". Nur ein Denken, das von diesem Gefühl begleitet ist, kommt uns wahr vor. Insofern erscheint es allerdings als das 'faktisch erste Ursprüngliche', nämlich uns selbst. Aus der Sicht der Transzendentalphiloso- phie erscheint es aber als eine höchst verzwickte Angelegenheit. - Merkwürdig bleibt, dass F. seinen Sprachge- brauch an dieser Stelle nicht erläutert.

**) Die Rückerinnerungen stammen aus derselben Zeit wie die(se) WL nova methodo.


*) Das war ein Lesefehler (spät am Abend, als die Augen müde waren)! Es heißt vielmehr: "ein mittelbares Bewusstsein", und so muss es ja auch sein. Das klärt ein bisschen was auf. Aber an der Zweideutigkeit des 'Gefühls' ändert es nichts. 1. 9. 2016
JE





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Dienstag, 30. August 2016

An der Grenze des Bewusstseins.


Von diesem Zustand wollen wir übergehen zur Beschränktheit, jetzt kann das Ich nicht handeln, seine praktische Tätigkeit ist angehalten. Nun ist der Charakter des Ich, dass es sich idealiter setze oder anschaue; dies ist erst jetzt möglich, denn jetzt ist etwas Gehaltenes da. Es muss ein Bewusstsein des Triebes oder der Beschränktheit notwendig geben. Aus dem Triebe folgt Bewusstsein.

Wenn das Ich lauter Tätigkeit wäre und keine Beschränkung in ihm vorkäme, so könnte es sich nicht seiner Tätigkeit bewusst werden. Es kann im Ich nichts vorkommen ohne Bewusstsein, nun kommt hier der Trieb vor, folglich muss Bewusstsein desselben dasein.

Anmerkung: A) Hier teilen sich ideale und reale Tätigkeit, und die oben beschriebene Entgegensetzung beider wird möglich. Wir stehen an der Grenze des Bewusstseins, weil wir den Ursprung alles Bewusstseins sehen.

B) Ideale Tätigkeit ist nur eine gebundene; ihr unmittelbares Objekt ist die praktische [Tätigkeit], ihre Gebunden-heit hängt von der praktischen ab, diese muss ursprünglich ein Streben sein, und dies ist der Ursprung des Be-wusstseins.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 67






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Montag, 29. August 2016

Wenn das Ich keinen Widerstand fände...



4) Was wird nun aus diesem Triebe des Ich folgen? Man denke, das Ich würde nicht begrenzt, sein Trieb würde Tätigkeit, so wäre das Ich ein Selbstaffizieren und weiter nichts, das Ich wäre nicht gebunden, es wäre sonach keine ideale Tätigkeit, ideale und reale Tätigkeit fielen zusammen. So etwas können wir uns nicht denken, es wäre das Selbstbewusstsein eines gedachten Gottes (vide compendium, p. 265 die Parenthese).
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 67



Nota. - Denken können wir uns das wohl nicht, aber das schließt nicht aus, dass der eine oder die andere es so meinen kann; klingt der Absatz nicht wie das Psychogramm des postmodernen Ich-ganz-wichtig?
JE.






Sonntag, 28. August 2016

Trieb ist ein sich selbst produzierendes Streben.



Ich finde etwas, aus welchem ich mein Handeln zusammensetze; in diesem liege ich selbst, also hier wird Tätigkeit gefunden. Diese Tätigkeit ist eine zurückgehaltene Tätigkeit, und davon bekommt sie den Charakter des Seins. So etwas ist aber ein Trieb, ein sich selbst produzierendes Streben, das im Innern dessen, dem es zugehört, gegründet ist (vide compendio, p. 282), es ist Tätigkeit, die kein Handeln ist, etwas Anhaltendes, die ideale Tätigkeit Bestimmendes, eine innere fortdauernde Tendenz, den Widerstand zu entfernen (wie die Tendenz einer gedrückten Feder).

//67// Mit dem Setzen eines Triebes muss notwendig etwas die Tätigkeit Verhinderndes gesetzt werden. Denn im Triebe liegt die Notwendigkeit des Handelns; da er aber kein Handeln wird, sondern ein Trieb bleibt, so muss der Grund davon in einem andren liegen.

Man kann sagen, der Grund des Triebes liegt im Subjekte, inwiefern der Grund zu einer Tätigkeit im Subjekte liegt. Aber er liegt nicht drin, in sofern er nicht Tätigkeit, sondern Trieb ist, und dadurch, dass etwas Verhin-derndes da ist, wird eben die Tätigkeit aufgehoben. Wir kommen sonach aus diesem Wechselverhältnis nicht hinaus.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 66f.







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Samstag, 27. August 2016

Sein ist Bestimmtheit.



Dieses Etwas ist als ein wirkliches Handeln nicht gesetzt, was also davon dem Ich angehört, ist nicht zu erklä-ren aus einem wirklichen Selbstaffizieren. Das Ich wird hier nur gesetzt als ein Vermögen des Handelns in diesem Mannigfaltigen. Nun aber kommt dieses Vermögen hier nicht vor als ein bloßes Vermögen, als eine Mögliches im Denken, sondern als ein Anschauliches, welchem insofern der Charakter des Seins zukommt.

Der Charakter des Seins ist Bestimmtheit, folglich müsste hier liegen ursprüngliche Bestimmtheit zum Handeln überhaupt. -

Das Ich, sobald es gesetzt ist, ist nicht frei zu handeln überhaupt, sondern nur, ob es dies oder jenes handeln will; wir bekommen hier ein notwendiges Handeln. Das Wesen des Ich ist Tätigkeit, folglich wäre hier ein Sein der Tätigkeit. Das den Begriff von seinem Willen entwerfende Ich ist gebunden, aber die Gebundenheit deutet auf ein eigentliches Sein. Das Bindende und insofern Setzende ist dem Ich angehörig, aber das Ich ist hier prak-tisch (Tätigkeit), sonach ist hier ein Sein der Tätigkeit. Beide sich widersprechende Begriffe sind hier vereinigt (nämlich Sein und Tätigkeit), und diese Vereinigung wird hier betrachtet als ein Gefundenes.

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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 66



Nota. - Sein ist Bestimmtheit. (Tätigkeit ist Bestimmen.) Das 'Sein' der Tätigkeit ist Bestimmtheit zur Tätigkeit. Das Vermögen des Handelns ist zum Handeln bestimmt. Und wie immer: Das 'ist' nicht so, aber wird so vorgestellt.
JE




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Freitag, 26. August 2016

Gefühl ist das, was dem Selbstaffizieren widersteht.


digitalkamera

Alles, was auf ideale Tätigkeit sich bezieht, ist Setzen, und entweder Tätigkeit des Ich, Gebundenheit der idealen Tätigkeit; oder Sein des NichtIch, ein Gesetztsein, durch welches ein Werden und Machen negiert wird. Wenn die Möglichkeit der Entgegensetzung so abgeleitet wird, so wird der oben behaupteten Teilbarkeit nicht widersprochen, denn ich kann ja dasselbe Sein vermehren oder vermindern.

Das oben Gezeigte wird sich unten zeigen als dasjenige, was durch das unmittelbare Gefühl gegeben ist, z. B. Rot, Blau, Süß, Sauer. In diesen Gefühlen ist der Zustand des Gemüts nicht Vielheit, sondern Einheit, die Teilbarkeit findet aber dabei statt, nämlich dem Grade nach. Ich kann mehr oder minder Rotes empfingen, aber ich kann nicht sagen, wo es aufhört, rot zu sein. 

Wie ist das Setzen oder das Bewusstsein dieses Etwas möglich? Wie kommt es in das Ich?

3) Dieses Etwas und das Bewusstsein davon geht allem Handeln voraus, denn das Handeln ist dadurch bedingt. Das Gegebene ist die Sphäre alles möglichen Handelns; das Handeln //66// aber ist absolut nichts Einfaches, sondern ein Zweifaches. Es liegt gleichsam eine Ausdehnung des Selbstaffizierens und ein Widerstand, der es aufhält und zu einem Anschaubaren macht, darin. Was in der Sphäre des Bestimmbaren liegt, ist das Handeln; jedes Mögliche muss etwas dem Ich Angehöriges und etwas ihm Widerstrebendes sein.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 65f.



Nota. - Ja, Gefühl ist ein vom-Andern-affiziert-Sein.
JE



Donnerstag, 25. August 2016

Was ist es, das der idealen Tätigkeit einen Halt gibt?




2) Nun fragt sich: Welches ist das Bindende, was ist es und woher?

Wir kennen die Sphäre des Bestimmbaren noch nicht anders als unter dem Prädikate eines ins Unendliche teilbaren Mannigfaltigen. Aber ein solches ist nichts, ein solches ins Unendliche Teilbare gibt kein Anhalten, kein Bindendes, mithin keine ideale Tätigkeit und mithin auch keine Teilbarkeit ins Unendliche; mithin wider-spricht sich der Begriff von Etwas, welches weiter nichts sein soll als teilbar / ins Unendliche. Und da dieser Begriff unter den Bedingungen des Bewusstseins vorkommt, so käme unter letzterer ein Unmögliches vor.

Es müsste sonach etwas Positives, das nicht weiter teilbar wäre, angenommen werden, um die ideale Tätigkeit des praktischen Vermögens zu erklären. Dies ist aber ein Reales, das Unteilbare müsste also unteilbar sein als Realität; als Quantität müsste es wohl teilbar sein. Nun soll die ideale Tätigkeit hier so gebunden sein: nicht, dass sie als bewegliche fortgerissen werde, sondern dass sie angehalten und fixiert werde. 

Das, was die ideale Tätigkeit fixiert, soll Stoff einer Wahl sein. Aber die Wahl kann nur mit Bewusstsein des [=von dem] Gewählten geschehen, aber es gibt kein Bewusstsein von Etwas ohne Entgegensetzung. Sonach müsste es in dieser Ansehung Zustände des Gemüts geben, die nur Einheit und Gleichheit sind, nicht aber Vielheit in eben und demselben Zustande. Es muss Grundeigenschaften geben (die nicht weiter zergliedert werden können) des Bestimmbaren, und ein Sein des Bestimmbaren.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 64f.


Nota. - 
Die ideale Tätigkeit kann schlechthin auf nichts anderes gehen, als auf ein Handeln=eine reale Tätigkeit, der widerstanden wird. Es ist dieser Moment der Synthese von realer Tätigkeit und Widerstand, der der idealen Tätigkeit einen Halt, einen Anhalts-Punkt gibt - und insofern einen Charakter von Sein an sich trägt, das seiner-seits Tätigkeit negiert. Lassen Sie mich raten: Er wird mehr von Seiten des Widerstands herkommen, als von Seiten der Tätigkeit, oder?

JE


Mittwoch, 24. August 2016

Wie man das Entwerfen des Begriffs vom Zweck denken muss.



Weitere Untersuchung:

1)  Im vorigen Paragraphen ist erwiesen, dass die Anschauung eines freien Handelns bedingt sei durch die Anschauung eines frei entworfenen Begriffs vom Handeln. Für die Entwerfung dieses Begriffs ist nach dem Obigen eine Sphäre gegeben, das Bestimmbare. Dieses kennen wir als ein unendlich Teilbares von möglichen Handlungen. In dem Zusammensetzen dieses Mannigfaltigen soll die praktische, inwiefern es diesen Begriff durch ideale Tätigkeit bestimmt, oder die materiale Freiheit (die Freiheit der Wahl) des Ich bestehen.

In wiefern das Ich in dieser Funktion des Begriffs ideal ist, ist es doch gebunden. Die Entwerfung des Begriffs x lässt sich nur so begreifen: Es ist der idealen Tätigkeit ein Mannigfaltiges gegeben, aus diesem setzt sie einen Begriff zusammen, sie lässt liegen, was sie will, und fasst auf, was sie will, darin besteht ihre Freiheit. Aber das Gegebene muss sie als gegeben anschauen, und darin liegt ihre Gebundenheit. 

Kurz, es ist hier ein Übergehen von Bestimmtheit zum sich Bestimmen oder zur Bestimmbarkeit. Die ideale Tätigkeit ist teils gebunden (bestimmt), teils frei. Die Freiheit ist das Bedingte und die Gebundenheit das Be-dingende; ist nichts gegeben, so kann nicht gewählt werden. So allein kann die Entwerfung des Begriffs vom Zweck gedacht werden.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 64


Nota. - Nicht ein Begriff 'von Handeln überhaupt' ist zu entwerfen, das wäre Unfug; sondern ein Begriff von diesem Handeln: indem es aus einer gegebenen Sphäre von möglichen Handlungen eine auswählt. Diese Sphäre ist 'gegeben'. Durch was, von wem? Wohl von der Einbildungkraft, was anderes kann ich mir nicht vorstellen; höchstens noch, dass in die Einbildungkraft zuvor ein Quantum Gefühl eingegangen ist, beides zusammen ergäbe eine Bestimmtheit, von der aus zum Bestimmen übergegangen würde. Doch wenn er es so meint - warum sagt er es nicht?

JE






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Dienstag, 23. August 2016

'Objektiv' hat zwei Bedeutungen.


Citizen Cane

§ 6

Dies ist nun, worin alles Bewusstsein enthalten ist, und woraus es deduziert wird, ist aufgezeigt: Das Subjektive, das sich selbst Setzende; das Objektive, die praktische Tätigkeit, und das eigentlich Objektive, das NichtIch.

Objektiv hat zwei Bedeutungen: 1., im Gegensatz mit der idealen Tätigkeit, ist es die praktische Tätigkeit; 2., im Gegensatz des ganzen Ich, ists das NichtIch.

Von nun an haben wir die Möglichkeit des bisher Aufgestellten anzugeben, und die Bedingungen dieser Mög-lichkeit vollständig aufzuzählen. Wir haben jetzt unser bestimmtes Ziel, bei dem wir ankommen müssen, wir haben schon die Vollen-/dung im Auge. Wenn wir dahin kommen, wo wir begreifen, dass das Ich sich selbst setze als durch sich selbst gesetzt, so ist unser System geschlossen, und dies ist der Fall beim Wollen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 63f.



Nota. - Das ursprünglich Objektive, Wirkliche, uns Gegebene ist die Anschauung der praktischen Tätigkeit. In der Anschauung - idealen Tätigkeit - zerfällt dies Objektive seinerseits in ein Subjektives und ein Objektives; diese beiden werden lediglich gedacht. - 

Der Gang der Wissenschaftslehre ist immer der: Zu erklären ist stets das wirklich vorgefundene vernünftige Bewusstsein. Wenn es begreiflich sein soll, so müsste es so und so entstanden sein... Nachfrage: Doch wie wäre das möglich? Die Antwort liegt im Aufzählen der Bedingungen der Möglichkeit. Eine Notwendigkeit, nämlich dass es so und so kommen musste und gar nicht anders konnte, wird gar nicht behauptet; denn dass es wirklich so gekommen ist, war ja eben der Ausgangspunkt.
JE


Montag, 22. August 2016

Nur durch die Synthesis mit einem Widerstand wird eine Tätigkeit anschaubar.


 C. Bloch, Samson bei den Philistern

4) Die erste Anschauung war ohne die Bestimmungen, die wir jetzt hinzugesetzt haben, nicht möglich, sie war kein  / vollendeter Zustand des Gemüts, die erste war ein leerer Gedanke, wir hätten die erste nicht einmal zum Behuf für unsere Philosophie denken können, wenn wir das, was wir jetzt deutlich einsehen, nicht eingemischt hätten.


§ 5

Das Bestimmbare wird der Anschauung zu einem ins Unendliche teilbaren Mannigfaltigen, weil es Objekt einer freien Wahl für die absolute Freiheit sein soll; dem Bestimmten als einem Teile desselben muss dasselbe zu-kommen, und darin  sind sie beide gleich. Unterschieden sind sie darin, dass in dem ersten eine bloß als mög-lich, das ist, durch die zwischen Entgegengesetzten schwebende Intelligenz gesetzte, in dem zweiten eine durch die an eine bestimmte Folge des Mannigfaltigen geknüpfte Intelligenz gesetzte Handlung angeschaut wird. Handlung ist Tätigkeit, der unaufhörlich widerstanden wird, und nur diese Synthesis des Widerstandes ist es, durch die eine Tätigkeit anschaubar ist.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 62f.



Nota. - 4) verstehe ich nicht.
JE





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Sonntag, 21. August 2016

Was heißt kritischer Idealismus?


William Scott, Progression, Taxco, Mexico 2000

Hierin dient nun die Wissenschaftslehre der Kantischen Philosophie zur Erläuterung und tieferen Begründung. Kant wollte auch nichts wissen von einem NichIch ohne Ich und umgekehrt; beide sind kritischer Idealismus und unterscheiden sich dadurch von aller vorkantischen Philosophie. 

Der kritische Idealismus ist kein Materialismus oder Dogmatismus. Kein Materialismus, der von Dingen aus-geht, kein Idealismus, der von einem Geiste als Substanz ausgeht. Kein Dualismus, der vom Geist und von Dingen an sich als abgesonderten Substanzen ausgeht. Der kritische Idealismus geht aus von ihrer Wechselwir-kung als solcher, oder als Akzidenz beider (Substanz und Akzidenz sind Formen unseres Denkens.) Dadurch wird er der Notwendigkeit überhoben, eines von beiden zu leugnen. Der Materialismus leugnet das Geistige, der Idealismus die Materie. 

Dieses System hat auch nicht die unauflösliche Aufgabe, zu vereinigen, was nicht zu vereinigen ist, nachdem es einmal getrennt worden, wie der Dualismus; es findet beide vereinigt.

Auf diese Wechselwirkung kommt es der Wissenschaftslehre vorzüglich an. (Am besten verstanden von Herrn Hofrat Schiller in den Briefen über ästhetische Erziehung in den Horen.) Das Ich ist nur anschaubar in der Wechsel-wirkung mit dem NichIch. Es kann außer dieser Verbindung gedacht werden, aber dann ists nicht wirklich, es ist dann nur eine notwendige Idee. Aber das NichtIch kann nicht gedacht werden, außer in der Vernunft. Das Ich ist das Erste, das NichtIch das Zweite, drum kann man das Ich abgesondert denken, aber nicht das Nicht-Ich.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 61f.



Nota. - Positio und negatio, Sein und Nichts haben nicht denselben (onto)logischen Rang. Man muss das eine vor dem andern denken, es lässt sich nicht umkehren. Die Passivität lässt sich erst vorstellen, nachdem die Aktivität angeschaut wurde; erst das Tun, dann das Lassen.

Der kritische Idealismus geht aus von der Anschauung des Handelns; erst aus ihr wird auf Ich und NichtIch geschlossen: aber das Eine als vorausgehend dem Andern.
JE

Samstag, 20. August 2016

Das Ich ist nur in sofern etwas, als es mit der Welt in Wechselwirkung steht.




3. In der allein anschaubaren und in dieser Hinsicht [allein] wirklichen Handlung liegt zweierlei: Freiheit und Beschränkung. Tätigkeit und Aufgehobenheit der Tätigkeit, und zwar beide in jedem Momente des Handelns vereinigt.

Es wird sich finden, dass jene Beschränktheit des Handelns zu einem NichIch führt, zwar nicht auf ein an 
sich vorhandenes, sondern auf etwas, das durch die Intelligenz notwendig gesetzt werden muss, um jene Be-schränktheit zu erklären. Es dürfte sich auch im Einzelnen ergeben, dass alle mögliche Wirklichkeit, die es geben kann, aus einem Wirklichen entstehe.  Der Urgrund alles Wirklichen ist daher die Wechselwirkung oder Vereinigung des Ich und NichtIch. Das NichtIch ist sonach nichts Wirkliches, wenn es sich nicht auf ein Handeln des Ich bezieht, denn nur durch diese Bedingung und Mittel wird es Objekt des Bewusstseins. Da-durch wird nun das Ding an sich für immer aufgehoben.

So ists auch mit dem //62// Ich; das Ich kommt im Bewusstsein nur in Beziehung auf ein NichtIch vor. Das Ich soll sich setzen, es kann dies aber nur im Handeln; Handeln ist aber eine Beziehung auf ein NichtIch. Das Ich ist nur in sofern etwas, als es mit der Welt in Wechselwirkung steht, in dieser Verbindung kommen beide vor.

Hinterher, wenn man sie gefunden hat, kann man sie trennen, aber jedes, wenn es abgesondert betrachtet wird, erhält seinen ursprünglichen Charakter; jedes wir nur in Beziehung auf das andere vorgestellt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 61f.







Freitag, 19. August 2016

Begriffe sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut.


M. Kessels

/Die Frage, wie die Objekte, die außer uns sein sollen, zugleich in uns sein sollen, beantwortet die Wissen-schaftslehre so: wenn das, was außer uns sein soll, mit dem verknüpft ist, was unmittelbar Objekt des Bewusst-seins ist, und dies ist alles Tätige und Freie in uns. Nur meiner Tätigkeit kann ich mit bewusst werden, aber ich kann mir derselben nur bewusst werden als einer beschränkten.

Der Kantische Stz: Unsere Begriffe beziehen sich nur auf Objekte der Erfahrung, erhält in der Wissenschafts-lehre die höhere Bestimmung: Die Erfahrung bezieht sich auf Handeln, die Begriffe entstehen durch Handeln und sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut. 

Kant wird nicht sagen, die Erfahrung sei absolut, er dringt auf den Primat der praktischen Vernunft, nur hat er das Praktische nicht entscheidend zur Quelle des Theoretischen gemacht. In einem neueren Aufsatze der Ber-liner Monatsschrift: Über den vornehmen Ton..." hat er sich erklärt, dass die Freiheit das Höchste sei.

Die Philosophie desjenigen, welcher behauptet, dass der Mensch vorstellend ohne Handeln sei, ist bodenlos. Hier wird es recht klar, was es heißt: Das Ich sieht die Welt in sich; oder: Gibt es keine praktische, so gibt es auch keine ideale Tätigkeit; gibt es kein Handeln, so gibts auch kein Vorstellen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 61



Nota. - Kurz, der Zweckbegriff ist die Grundform des Begriffs; alle andern sind Abstraktionformen. Oder Auch: Begriff ist Absicht.
JE



Donnerstag, 18. August 2016

Möglichkeit ist ein Schweben des Zweckes zwischen Sein und Nichtsein.


Verlag freies Geistesleben

Das praktische Ich (denn dadurch erklären wir alles) erscheint im Entwerfen des Begriffs seiner Wirksamkeit frei in Absicht des Zusam-/menordnens des Mannigfaltigen; darin besteht die Freiheit der Wahl. Ist aber der Begriff einmal entworfen und wird nach ihm gehandelt , dann hängt die Folge nicht mehr von ihm [=dem prak-tischen Ich] ab, sondern es ist in Rücksicht derselben gebunden. Die Anschauung, die ihrer Natur nach gebunden ist, wird im ersten Falle, wenn der Begriff entworfen wird, vom Praktischen hin- und hergerissen zwischen Sein und Nichtsein, im Schweben zwischen Entgegengesetzten. Im zweiten Falle, wo gehandelt wird, wird das An-geschaute dadurch, dass das Praktische selbst gebunden ist, mitgebunden; der Grund der Bestimmtheit der Intelligenz hängt ab von der Bestimmtheit des Praktischen.

Im ersten Falle heißt es der Begriff von einer bloß möglichen, im zweiten von einer wirklichen Handlung. Jetzt ist die Fragte, was x sei, beantwortet; x ist eine wirkliche Handlung und einer bloß möglichen entgegengesetzt.

Corollaria: 

1) Diese Begriffe sind besondere Bestimmungen der Intelligenz in Beziehung auf das in ihr notwendig hinzu-zudenkende praktische Vermögen. Wird das praktische Vermögen gesetzt als selbst Begriffe erschaffend, so ist dann die Intelligenz selbst frei, und dann entsteht der Begriff des Möglichen; wird es gesetzt als wirklich han-deln, so ist es in Rücksicht der Folge des Mannigfaltigen gebunden, und die Intelligenz mit ihm.

2) Alles Wirkliche und Mögliche ist wirklich und möglich lediglich in Beziehung auf die Handlung des Ich; denn wir haben es von der Anschauung des Handelns abgeleitet. Die Anschauung eines Wirklichen bedingt alle Anschauung, mithin alles Bewusstsein

Bewusstsein des Wirklichen oder Anschauung des Wirklichen heißt Erfahrung, also geht alles Denken von der Erfahrung aus und ist durch sie bedingt. Nur durch Erfahrung werden wir für uns selbst etwas, hinterher können wir von der Erfahrung abstrahieren.

Anschauung des Wirklichen ist nur möglich durch Anschauung eines wirklichen Handelns des Ich; also jede Erfahrung geht aus vom Handeln, es ist nur durch sie möglich [sic]. Ist kein Handeln, so ist keine Erfahrung, und ist diese nicht, so ist kein Bewusstsein.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 59f.



Nota. - Möglichkeit 'ist' lediglich in der Vorstellung, nämlich sofern der Begriff von einem Zweck gefasst wurde; ist nicht die Latenzform von 'Sein', sondern ein Zweck, der zwar entworfen, aber noch nicht handelnd realisiert wurde. (Zur Erinnerung: Nach Kants Kategorienlehre gehört Möglichkeit neben Wirklichkeit und Notwendigkeit zu den Modalitäten; sie sind a priori.)
JE



Mittwoch, 17. August 2016

Vorwärts stetig, rückwärts stoßweise.




In jedem Momente liegt Handeln und Widerstand zugleich. Dieses Handeln geht nicht rückwärts, sondern in einem fort, es ist immer ein und dieselbe Selbstaffektion, die sich immer weiter ausdehnt durch die Anschau-ung. Der einfache Punkt der Selbstaffektion wird ausgedehnt durch die Anschauung der Selbstaffektion zu einer Linie. In Verfolgung dieser Linie erhalten wir [eine] Folge bestimmter Teile. 

Dass es Teile sind und als solche aufgefasst werden, dafür liegt der Grund in der Reflexion, dass nämlich in diese Linie A, B, C, D pp. gesetzt wird; aber dass in dieser Ordnung aufgefasst wird, davon liegt der Grund nicht in der Reflexion, denn diese kann nur dem realiter Tätigen folgen, auch liegt der Grund nicht in der realen Tätig-keit, denn dies Mannigfaltige ist ja ein die reale Tätigkeit Verhinderndes, ihr Entgegengesetztes; mithin ist die reale Tätigkeit in Rücksicht der Folgen gebunden, und dies ist der Unterschied zwischen dem Charakter des Bestimmbaren und [des] Bestimmten.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 59



Nota. - Die - als solche bloß gedachte - reine Tätigkeit geht ins Unendliche fort und erscheint insofern als stetig. Sie stößt - hier tritt das Wirkliche ein! - auf einen Widerstand; sie überwindet ihn und fährt fort. Im Moment des Widerstehens wurde sie anschaulich, ein 'Quantum' der Tätigkeit wendet sich darauf und wird 'ideal'= Re-flexion. Rückwärts betrachtet erscheint nun die (für sich genommen stetige) reale Tätigkeit der idealen als inter-punktiert durch A, B, C, D; nämlich durch die anschaulichen Folgen, die sie gezeitigt hat.
JE






Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Dienstag, 16. August 2016

Nur in wiefern er überwunden wird, kommt der Widerstand ins Ich.



Die Freiheit ist absolute Selbstaffektion und weiter nichts, sie ist aber kein Mannigfaltiges, also auch nicht anschaubar. Hier soll aber ein Produkt derselben anschaubar sein, sie soll also mittelbar anschaubar sein. 

Dies ist nur unter der Bedingung möglich, dass mehrere Selbstaffektionen gesetzt werden, die als mehrere nur unterscheidbar wären durch das Mannigfaltige des Widerstandes, der ihnen entgegengesetzt würde; aber ein Widerstand ist nichts ohne Tätigkeit, und inwiefern er überwunden wird, kommt er ins Ich. 

Das Ich sieht nur sich selbst, nun sieht es sich aber nur im Handeln, aber im Handeln ist es frei, also überwindend den Widerstand: Die Freiheit wirkt ununterbrochen fort, der Widerstand gibt ununterbrochen nach, [so] dass doch immer ein Widerstand bleibt. (Ein Bild davon ist das Fortschieben eines beweglichen Körpers im Raume.) 
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 59


Nota. - Freiheit 'ist' (wie 'Ich') nur als NoumenonWirklich sind sie nur objektiv: als Wirkung, nämlich in ihrer Vereinigung mit dem Widerstand; denn die lässt sich anschauen, sie ist eigentlich alles, was wir 'haben'. Alles weitere wird in der Vorstellung lediglich hinzugedacht: aber dies notwendig, sofern wir einen Sinn darin erkennen wollen.
JE

Montag, 15. August 2016

Nur inwiefern die Freiheit aufgehalten ist, ist Anschauung möglich.




B) Die gewählte Handlung heiße x, sie ist Teil der soeben aufgezeigten Summe, und ihr muss das Prädikat zukommen, welches der ganzen Summe zukommt, sie muss teilbar sein können ins Unendliche. Aber noch immer ist dieser gewählte Teil x nur charakterisierbar und anschaubar, inwiefern er bestimmt ist. Er muss dem Bestimmbaren entgegengesetzt werden, denn nur unter dieser Bedingung ist das ganze bisher Geforderte möglich.

Welches ist nun der Charakter des Bestimmten als solchen, wie ist von ihm das Bestimmbare unterschieden? Die reale Tätigkeit bestimmt sich zum Handeln, und diese ist nicht anschaubar, sie ist nicht Etwas, nicht teilbar, sie ist absolut einfach. Das sonach, wozu sich das Ich durch Selbstaffektion bestimmt, müsste anschaubar sein, das Handeln. Dies aber ist nicht möglich, wenn im Handeln der praktischen Tätigkeit die Freiheit nicht gebunden ist. Aber aufgehoben darf sie nicht werden, Tätigkeit muss sie sein und bleiben, sie müsste gebunden und auch nicht gebunden sein, beides müsste stattfinden.

Ein Handeln würde so etwas sein, in welchem die reale Tätigkeit gebunden und auch nicht gebunden wäre. Das Gebundene soll die reale Tätigkeit sein; also das Leidende bedeutet etwas Aufhaltendes, und nur inwiefern die Freiheit aufgehalten ist, ist Anschauung möglich.

Die Handlung mag x heißen, und dieses x muss anschaubar sein. Nun kommt dem Handeln als einem Bestimmbaren durch Freiheit Bestimmbarkeit ins Unendliche zu, man kann sonach x teilen in A und B, und diese wieder ins Unendliche. Wenn man ins Unendliche mit der Teilung fortginge, so dürfte man keinen einzigen Punkt finden, in welchem nicht / läge Tätigkeit und Hindernis der Tätigkeit. Dies ist nun Stetigkeit, eine stetige Linie des Handelns, und so etwas heißt Handeln, welche in einer steten Linie fortgeht. (Von der Zeit ist hier noch nicht die Rede.)
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 58f.


Nota. - Nur was anschaubar ist, ist wirklich. Freiheit, die nicht auf ihre Grenze stößt, um sie zu überschreiten, ist keine. Wirklich ist nichts, was nicht einen Gegenstand hat, der ihm entgegensteht.  

*

Die reale Tätigkeit ist als solche nicht anschaubar, sie ist nicht Etwas, sondern bloßer Gedanke. Anschaubares Etwas wird die Tätigkeit erst, weil und wenn sie auf ein Hindernis stößt, welches sie aufhält. Nicht in ihrer Tätigkeit selbst ist Freiheit anschaubar, sondern erst, wenn sie ein Objekt wählt, das ihr entgegen-steht.

Freiheit ist dem tätigen Ich als seine Bestimmung zuerst nur zugedacht, ihre Energie heiße reale Tätigkeit; sie 'sind' insofern, als sie den Sinn der Handlung ausmachen, die doch selber das einzig Anschaubare, das real-Reale ist. Sie ist der Ausgangspunkt der Wissenschaftslehre, und nachdem jene sie in ihrem ersten, analytischen Gang als den einzig möglichen Grund der Ichheit bloßgelegt hatte, setzt sie in ihrem zweiten, synthetischen Gang das System er Vernunft aus diesem seinen Grund wieder zusammen.
JE








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Sonntag, 14. August 2016

Vom Vorstellen zum Handeln.



Anmerkung 1) Wir erhalten hier eine Summe des Bestimmbaren; dies kommt daher, weil wir über unsere vorige Reflexion wieder reflektieren, sie wird jetzt aufgefasst als ein bestimmter Zustand des Gemüts, aber dadurch wird alles vollendet und ganz, was darin liegt. Im Paragraph 1 war von einer Totalität des Bestimmbaren nicht die Rede und konnte es nicht sein, weil das Anschauende selbst in dem Bestimmbaren sich verlor.

/ 2) Hier haben wir den Begriff einer Handlung erhalten. Die Selbstaffektion (§3) war nur möglich auf eine Art. Nun aber, da sie gesetzt ist als Übergehen von Bestimmbarkeit zu Bestimmtheit, muss sie möglich sein auf mannigfaltige Art. Die Selbstaffektion ist Stoß auf sich selbst; soll Verschiedenheit stattfinden, so muss etwas aus ihr Folgendes gesetzt werden, wodurch sie als ein Mannigfaltiges erscheint, und dies ist das Handeln.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 57f.



Nota. - Was als Reflexion selber ('ideale') Tätigkeit war, wird als Reflexion auf die Reflexion (endlicher) 'Zu-stand'. - Nicht Begriffe 'schlagen um', sondern es wird leibhaftig vorgestellt: Die Einbildungskraft ist allezeit produktiv, die Vorstellungen werden - und werden zu etwas, was sie vorher nicht waren: Handlung. 

Der springende Punkt bleibt immer: Wenn die Freiheit sich (zu diesem oder jenem) bestimmt, kann sie es nur so tun...
JE






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