Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Wissenschaftslehre ist nur hintenrum eine Anthropologie.


althaus kommunaltechnik

Die Wissenschaftslehre ist, metaphilosophisch gesprochen, eine aktualistische Fundamentalontologie. Wo sie von Sein spricht, ist immer nur ein (unbedingtes) Gelten gemeint. Es gilt etwas nur in einem, durch einen und für einen Akt. Geltung ist das, was einen Akt a posteriori rechtfertigen oder a priori begründen kann. Mit andern Worten, in der Wissenschaftslehre ist überhaupt nur von tätigen Subjekten die Rede - sofern sie Sub- jekte, nämlich tätig sind. Die lediglich leidenden Objekte sind Gegenstand der empirischen ("historischen") Realwissenschaften.

In ihrer Durchführung ist die Wissenschaftslehre Kritik; Kritik der Vernunft überhaupt: die Rückführung aller Geltungen auf Setzungen. Die setzende Vernunft (nur eine solche 'gibt es') ist das einzige 'Vermögen' der Menschen als solcher, nämlich sofern sie Ich sagen können-wollen-dürfen. Es ist das, was ihnen als Menschen gemeinsam ist, und nicht das, was sie als lebende Personen voreinander auszeichnet. Letzteres ist all solches, worüber die Vernunft nicht zu verfügen hat. So alle ästhetischen Urteile.

Nach dieser Kritik sind alle als vorgegeben begegnende Geltungen in historische Setzungen aufgelöst und bleibt übrig das Subjekt nackt und bloß: Was immer als gültig überkommen war, ist nach dem Wie und Woher, ist nach den historischen Umständen seiner Setzung zu überprüfen und zu bejahen oder zu verwerfen. Da immer Neues hinzudrängt, ist es mit dem Überprüfen niemals getan, es hat zu geschehen "in Permanenz". (Doch Manches ist schon nur allzu bekannt.)

Und so herum wird die Wissenschaftslehre dann doch zu einer Anthropologie - und zu einem Hinweis für die rechte Lebensführung. Die aber bleibt ein ewig aktual zu lösendes Problem: die Vereinbarung von unserer mit meiner Welt.*


*) Ich kann mich inzwischen genauer ausdrücken: die ewig akutal zu lösende Frage, bis wohin Vernunft zu reichen hat und wo sie nicht mehr hingehört.
JE


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