Mittwoch, 15. April 2015

Aus der Reflexion entsteht mir ein Bewusstsein.



Ich bin beschränkt, zuförderst praktisch. Diese Beschränktheit ist wieder beschränkt durch die im Zustande des Gefühls vorgegangene Veränderung; auf diese kann ich reflektieren oder nicht. Diese Reflexion ist die bisher [so] genannte Anschauung X; reflektiere ich aber einmal, so kann ich mich nicht allein beschränkt setzen, sondern ich muss auch noch ein / Beschränkendes hinzusetzen, dies ist die Anschauung Y. Reflektiere ich nicht, so bin ich für mich nicht da, und sonach ist auch außer mir für mich nichts da. 

Indem ich nun den geschilderten freien Akt vollziehe, werde ich mir meiner unmittelbar bewusst. Mit jeder Reflexion auf meinen Zustand und dem daraus folgenden Schlusse auf etwas außer mir ist eine Reflexion auf mich unmittelbar verknüpft, nicht in zwei besonderen Akten.
______________________________________________ 
Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 98f. 


Nota. -  Die erste Realität ist das Gefühl. Es ist in jedem Falle ein Gefühl des Beschränktseins. Daraus schließt die Wissenschaftslehre auf das Vorhandensein von etwas Beschränkendem - einem Objekt außer mir - und auf das Vorhandensein von etwas, das sich nicht beschränken lassen will: Trieb, Streben, Wollen. Nur so kann Bewusstsein zustande gekommen sein; Selbstbewusstsein und Gegenstandsbewusstsein mit einem Mal.
JE





Keine Kommentare:

Kommentar posten