Samstag, 24. Dezember 2016

Denken ist bestimmen. (Wie wird das Intelligible sinnlich?)



6. Wie aus allem Gefühle, so folgt auch aus diesem Anschauung und Begriff.

Jenes Gefühl muss also gedacht werden; wir wollen es erst als reines Wollen betrachten.


Alles Denken ist Übergehen von Bestimmbarkeit zur Bestimmtheit. Alles Denken ist bestimmte Tätigkeit, die etwas //146// aus der Masse herausreißt und bestimmt. Sowie etwas in die Form des Denkens aufgenommen wird, wird es selbst bestimmt. (Dieses ist die erste Hauptbemerkung, die man sich klarmachen muss, um einzusehen, wie aus dem Übersinnlichen ein Sinnliches wird.)

Wenn wir nun das Wollen denken, so wird es gerade so gedacht, wie wir es oben gedacht und beschrieben haben.

(Die zweite Hauptbemerkung ist, dass allem Bestimmen ein Bestimmbares vorausgesetzt werden muss, dies liegt in der Form unseres sinnlichen Denkens.)

 Das Intelligible wird sinnlich, indem es mit einem Bestimmbaren zusammen gedacht wird.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 145
f. 



Nota. - Die Tätigkeit der Einbildungskraft ist zuerst real, daraus erfolgt ein Widerstand, er äußerst sich im Gefühl. Das Vorstellen beginnt mit der Anschauung des Gefühls als dieses, sie ist die erste Stufe der Reflexion = ideale Tätigkeit; ist setzen. Die Aufnahme des Gesetzten in den Begriff ist bestimmen: Hier beginnt denken ist specie. Bestimmen ist aber verendlichen. Indem ein Intelligibles gedacht werden soll, wird es bestimmt und eo ipso verendlicht. - Sobald wir wirklich zu denken anfangen, verlassen wir das Reich des bloß Intelligblen und treten in die Sinnlichkeit ein. 

Das ist scholastisch formuliert, Fichte selbst hat auf dergleichen verzichtet. Es ist auch kein Lehrsatz, sondern eine Verständnishilfe. 
JE

 



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE.

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