Freitag, 9. Mai 2014

Den Endzweck als eines Tages erfüllt annehmen...

Cranach d. Ä., Das Goldene Zeitalter, um 1530

Ich soll schlechthin nach Maßgabe meines Gewissens in dieser Lage handeln. Ich kann es nicht, ohne anzuneh- men, daß gerade diese Lage auf den Vernunftzweck berechnet [und] Resultat ist jenes Prinzips. Die dem freien Handeln <jedes Individuums> vorauszusetzende Vernunftwelt ist geordnet, hervorgebracht durch jenes Prinzip: populär, sie ist erschaffen, erhalten, regiert durch dasselbe.

Es wird in derselben etwas Zukünftiges postuliert. – Kausalität unsrer Willensbestimmung für Beförderung des Vernunftzwecks; Erhaltung und gleichmäßig fortgesetzte Entwicklung aller vernünftigen Individuen, stete Fort- schreitung aller zum Endzwecke der Vernunft. – Erhaltung, ewige Fortdauer, Regierung der Schicksale endlicher Wesen zu ihrer Beseeligung, d. h. zu ihrer Befreiung durch reine Moralität.
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Rückerinnerungen..., S. 168



Nota I. - Allein dem "intellektuellen Gefühl" hat er die Gewissheit eines Absoluten aber auch in den Rückerinne- rungen nicht anvertrauen wollen. Auf die Konstruktion, wer einem moralische Impuls folge - "der Stimme des Gewissens" -, der müsse ipso facto ein ganzes Reich der Moralität als eines Tages realisiert annehmen, mag er auch hier nicht verzichten. - Dass er zwei 'Gründe' aufbietet, zeigt an, dass ihm ein jeder für sich nicht hinrei- chend vorkommt. Er schwankt - aus gutem 'Grund'. 

9. 5. 14

Nota II. - Der 'realisierte Endzweck der Vernunft' ist selbst als Vorstellung ein Widersinn. Vernunft ist nur in actu - als ein unendliches Bestimmen. Der realisierte Endweck wäre eine endgültige Bestimmtheit, und ergo das Ende der Vernunft. Es lässt sich dabei nichts denken; wer Vernunft denkt, muss Unbestimmtheit denken. Der Endzweck der Vernunft ist sie selbst - actu.
JE, 16. 5. 18

 

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