Montag, 23. März 2015

Das notwendige Verfahren beim Vorstellen.



Ich bin mir bewusst von der Vorstellung von irgendetwas, das weiß ich, nun behaupte ich: Dieser Vorstellung entspricht ein Ding, das da sein würde, wenn ich auch die Vorstellung davon nicht haben würde. 

Nun ist der Zusammenhang zwischen der Vorstellung und dem Ding auch nur eine Vorstellung auch in mir [sic]. Nun aber behaupten wir nicht nur, dass wir Vorstellungen haben, sondern dass diesen Vorstellungen auch Dinge außer ihnen entsprächen; sonach wäre die Vorstellung von dem Zusammenhange beider eine notwen- dige Vorstel-/lung. Also es geht schon hier eine Verknüpfung vor; ob wir und schon der Handlung des Ver- knüpfens nicht bewusst sind, so ist es doch notwendig. 

Dies Verfahren, dass ich nämlich von der Vorstellung zu der Vorstellung übergehe, dass Dinge wirklich exi- stierend da sind, ist notwendig; alle Vernunftwesen verfahren so.

Also es gibt in den denkenden Wesen notwendige Vorstellungen. Die Philosophie fragt nun nach den Gründen dieser notwendigen Vorstellungen der Intelligenz.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 11f.


Nota. - Wem Fichte noch neu ist, der wird überrascht sein: Es geht der Transzendentalphilosophie nicht darum, die Falschheit der Vorstellung von einer wirklichen Welt zu demonstrieren, sondern, im Gegenteil, ihre Not- wendigkeit. (Außerdem handelt sie nicht von förmlichen Konstruktionen aus Begriffen, sondern von dem, was sie erfassen: der materialen Entwicklung von Vorstellungen.)
JE



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