Samstag, 13. August 2016

Unendliche Teilbarkeit.



Um also die Gebundenheit der idealen Tätigkeit zu erklären, müssen wir der realen zusehen.

A) Wie schon oben erwiesen, entwirft sich das praktische Ich einen Begriff von seiner Tätigkeit, welcher der Zweckbegriff heißt.

Die Tätigkeit des Ich ist ein Übergehen von der bloßen Bestimmbarkeit zur Bestimmtheit. Die letztere wird aus der / Summe der ersten herausgerissen, und der herausgerissene Teil ist der, der begriffen wird.

Das Ich bestimmt sich, heißt, es wählt unter dem Bestimmbaren aus, die Wahl geschieht nach dem Begriffe, sonach war das Ich als Intelligenz nicht frei.

Man denke das Bestimmbare als Etwas. Dieses Prädikat kommt ihm zu, denn es ist anschaubar. Unter diesem Etwas, welches in der Sphäre des Bestimmbaren liegt, wählt die absolute Freiheit. Sie kann in ihrer Wahl nicht gebunden sein, denn sonst wäre sie nicht Freiheit. Sie kann ins Unendliche mehr oder weniger wählen, kein Teil ist ihr als der letzte vorgeschrieben. Aus dieser Teilbarkeit ins Unendliche wird vieles folgen (der Raum, die Zeit und die Dinge). Unendlich teilbar ist alles, weil es eine Sphäre für unsere Freiheit ist.

Hier ist die praktische Tätigkeit nicht gebunden, weil sie sonst aufhören müsste, Freiheit zu sein, aber darin ist sie gebunden, dass sie nur aus dem Bestimmbaren wählen muss. Das Bestimmbare erscheint nicht als hervor-gebracht, weder durch reale noch durch ideale Tätigkeit; es erscheint als gegeben zur Wahl. Es ist gegeben heißt nicht, es ist dem Ich überhaupt gegeben, sondern dem wählenden, praktischen Ich. Wir haben oben gesehen, dass das Bestimmbare aus den Gesetzen der idealen Tätigkeit hervorkommt. Man kann sagen, es ist durch die Natur der Vernunft gegeben.

Die Freiheit besteht darin, dass unter allem gewählt werden kann; die Gebundenheit darin, dass unter dieser Summe gewählt werden muss. Wir erhalten hier einen Begriff der bestimmten Summe für die Wahl der Frei-heit; ein Teil der Summe heißt eine bestimmte Tätigkeit oder Handlung.
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Wissenschaftslehre nova methodo, S. 56f.



Nota. - Das ist wieder so eine Kopfnuss: Wie kann etwas Unendliches teilbar sein? Ich greife ein Stück heraus, und übrig bleibt - das Unendliche? Dann habe ich es nicht geteilt

So würde der Logiker reden. In der scholastischen Dialektik von Fichtes Nachfolger auf seinem Berliner Katheder stehen sich am Anfang das Sein und das Nichts als schlechthin Entgegengesetzte gegenüber und führen ein Tanz miteinander aus. Bei Fichte aber sind die Dinge nicht entgegengesetzt, sondern werden es: vom tätigen Ich.

Das unendlich Bestimmbare ist eben nicht nichts. Denn völlig unbestimmt ist es ja nicht: Im Ich ist es - a priori, wenn ich so sagen darf - bestimmt als ein Bestimmbares, als ein Zu-Bestimmendes. Bestimmen ist ein Handeln, das kommt in der Logik gar nicht vor. Nicht um die - ohne Anschauung in der Tat leeren - Begriffe geht es, sondern um das lebendige Vorstellen: "Wenn ich frage: Was ist x?, so schwebt mir eine Sphäre von Mannigfal-tigem vor, was x sein könnte, ich will wissen, was x unter dem Mannigfaltigen sei, sonach müssen wir wissen, wem das durch Selbstbestimmung Hervorgebrachte entgegengesetzt werden soll." 

Nein, logisch sauber ist es nicht, Handeln ist an sich praktisch, 'bestimmend'; wenn ihm nichts "vorschwebte, was sein könnte", hätte es nichts zu wählen. Hier die Einbildungskraft, da das Urteilsvermögen, aber beide uno actu.
JE


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