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Donnerstag, 11. April 2019

[Einer sich als den andern.]

J.W.W. Tischbein, 1782

Besteht mein Leib aus zäher haltbarer Materie und hat er sie Kraft, alle Materie in der Sinnenwelt zu modifi- zieren / und sie nach meinen Begriffen zu bilden, so besteht der Leib der Person außer mir aus derselben Materie, und sie hat dielbe Kraft. Nun ist mein Leib selbst Materie, also ein möglicher Gegenstand der Ein- wirkung des andern durch bloße physische Kraft; ein möglicher Gegenstand, dessen freie Bewegung er gera- dezu hemmen kann. 

Hätte er mich für bloße Materie gehalten und er hätte auf mich einwirken wollen, so würde er so auf mich eingewirkt haben, gleicher Weise wie ich auf alles, was ich für bloße Materie halte, einwirke. Er hat nicht so gewirkt, mithin nicht den Begriff der bloßen Materie von mir gehabt, sondern den eines vernünftigen Wesens, und durch diesen sein Vermögen beschränkt. Und erst jetzt ist der Schluss vollkommen berechtigt und notwen- dig: Die Ursache der oben beschriebenen Einwirkung auf mich ist keine andere als ein vernünftiges Wesen.

Es ist hiermit das Kriterium der Wechselwirkung vernünftiger Wesen als solcher augestellt. Sie wirken notwendig unter der Voraussetzung auf einander, dass der Gegenstand ihrer Einwirkung einen Sinn habe; nicht wie auf bloße Sa- chen, um einander durch physische Kraft für ihre Zwecke zu modifizieren.
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Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre,
SW Bd. III, S. 68f.
 



Nota. - Mal sehen, wie er uns den Sinn erläutern wird. -

Dass der Leib aus zäher haltbarer Materie besteht, wussten wir - aber bloß aus Erfahrung; aus den Vorausset- zungen abgeleitet war es noch nicht, das musste der Transzendentalphilosoph noch erledigen. (Nie vergessen: Die Transzendentalphilosophie kehrt die Betrachtungsweise um; nicht aus Ursachen konstruiert sie Wirkungen, sondern aus Folgen erschließt sie Bedingungen. Da aber auch sie diskursiv verfahren muss, sieht es aus wie eine verkehrte Kausalität.)

Überflüssig ist es auch sachlich nicht, denn der Begriff des Leibes muss bestimmt werden - artikuliert; zähe, halt- bare Materie -, um aus ihm sachlich fortbestimmen zu können; und zwar in diesem Fall negativ: Der eine ist so wenig bloße Materie wie der andere und können einander als solche nicht behandeln, weil sie sich selbst nicht als solche behandeln können.

Nun ja, auch das hatten wir in der Abstraktion bereits; aber eben nur im Begriff. Dabei darf F. es nicht belas- sen, weil er uns zu Folgerungen für die Sinnenwelt führen will. Und es sieht so aus, als kämen wir auf diese Weise auch der ausgefallenen Idee von den 'zwei Organen' näher.
JE

Sonntag, 14. April 2019

Transzendentale Deduktion des Nervensystems.



Die Modifikation des Organs für die Einwirkung durch Freiheit soll auf das für die Einwirkung durch Zwang gar keinen Einfluss haben, soll dasselbe ganz und völlig frei lassen. Demnach muss die feinere Materie nur auf das erstere Organ, auf das letztere [aber] gar nicht einfließen, dasselbe nicht hemmen und binden können: Es muss daher sein eine solche Materie, deren Bestandteile gar keinen dem niederen , d. h. gezwungenen Sinne bemerkbaren Zusammenhang haben. 

Ich eigne in dem beschriebenem Zustande mir das Vermögen zu, auf diese subtilere Materie zurückzuwirken durch den bloßen Willen, vermittelst einer Affektien des höhere Organs durch das niedere; denn es ist aus- drücklich gesagt worden, dass ich eine solche Bewegung des niederen Organs zurückhalten müsse, um die im höheren hervorgebrachte Bestimmung nicht zu zerstören: mithin auch der unmittelbar damit in Verbindung sehenden subtileren Materie eine ander Bestimmung zu geben. Die subtilere Materie ist also für mich modifikabel durch den bloßen Willen.
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Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre,
SW Bd. III, S. 70
 



Nota. - Verwirrend bleibt, dass er das jeweilige - höhere und niedere - Organ nochmal unterscheidet von seiner je gröberen oder feineren Materie. Es ist die Unterscheidung zwischen der jeweiligen organischen Zusammen- setzung und der Funktion des Organs im Lebensprozess.

Ja, er hat die Existenz eines 'höheren' Nervensystems in einem 'niederen' fleischlichen Leib transzendental de- duziert. Da eine Funktion in der Erfahrung gegeben ist, darf auf die Gegebenheit eines dafür erforderlichen Organs rückgeschlossen werden. Und gibt es zwei Funktionen, dann gibt es zwei Organe.

Wie die Umsetzung geistiger Willensakte in muskuläre Bewegung im Einzelnen vor sich geht, ist nicht Thema der Philosophie, sondern der empirischen Forschung, und bildet die unüberwindliche Scheidelinie zwischen beiden. F. hatte sich an der Stelle - und würde sich noch heute - zurückhalten müssen, denn die Wissenschaft seiner Zeit war noch ganz in Spekulationen verstrickt, vorangetrieben und zugleich kompromittiert durch den "Geisterseher" Emanuel Swedenborg.

*

Auch ohne dies bleibt die Frage, welchem Erkenntniszweck diese Erörterungen dienen. Der Rechtsbegriff ist aufgestellt und seine Implikation im Begriff der Vernunft nachgewiesen. Seine ferneren Bestimmungen wären Sache der Politik, deren Begriff ihrerseits erst unter den Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft umfassend bestimmt werden konnte. Von dieser Voraussetzung konnte F. aber nicht wohl ausgehen. Will er dem fakti- schen Mangel theoretisch abhelfen durch Strecken des philosophischen Radius?


Berichtigung

Ich hab ihn falsch verstanden. Ich war so früh von der Idee eingenommen, er wolle zu der zeitgenössichen Spekulation über tierischen Galvanismus beitragen - Johann Wilhelm Ritter war eben in Jena eingetroffen -, dass mich seine weiteren Ausführungen nicht wieder davon abbringen konnten. Ersteres ist allein mein Fehler, aber zu letzterem hat er sein' Teil beigetragen. Seine Rede ist so vertrackt und abstrakt, dass man wirklich nicht weiß, was man sich unter den verwendeten Begriffen vorstellen soll. Dass er mit der 'subtileren und feineren Ma- terie' nur das Nervesystem meinen konnte, schien mir so nahliegend, dass ich die Andeutungen auf "Luft und Licht" übersehen habe - in der Annahme, er räsonniere noch im Leib, statt zwischen zwei Leibern.

Dass er 'Luft und Licht apriori deduziert' hätte, hat damals manche Feder zum Kratzen gebracht; Luft und Licht lägen doch im Reich des Erfahrung und seien folglich aposteriori! (Selbst Kant hat auf den letzten Seiten des Opus postumum - kurz bevor er für ihn den Titel Philosophie als Wissenschaftslehre in einem vollständigen System auf- gestellt in Erwägung zog - sich über das Sujet den Kopf zerbrochen.) Fichte ist spottend darauf eingegangen* und fragt: Kann denn etwas apriori sein, ohne zuvor aposteriori gewesen zu sein? Im System der Wissenschafts- lehre natürlich nicht. Aber was dort spottend vorgetragen wurde, war hier im Naturrecht ganz bierernst gemeint; nicht als ein philosophischer Witz, wie er ja nach Fichtes Geschmack gewesen wäre. 

Ernst ist das wirklich, denn der Aufschrei der Kritiker war weniger falsch, als F. meinte. Zwar sind Apriori und Aposteriori nicht zwei verschiedene Weltgegenden und was in der einen läge, könnte nicht in der andern liegen. Aber Fichte befindet sich an dieser Stelle bereits in einem Bereich, wo Erfahrung möglich ist, zu transzendentalen Reflexionen ist gar kein Anlass. Warum also tut er so, als ob er selber 'Licht und Luft' - auf jeden Fall ein Medium  - ins Spiel bringen musste? Nicht die 'subtilere und feinere Materie' war da, bevor er sie als Licht und Luft iden- tifizieren konnte, sondern Licht und Luft waren da, bevor er daraus einen Begriff von subtilerer und feinerer Materie abstrahieren konnte; aber mitnichten musste. Wenn er nicht absichtlich die Grenze zwischen Transzen- dentalphilosophie und realer Wissenschaft verwischen wollte, so hat er sie zum Mindesten hier aus dem Auge verloren. 
 *) Annalen des philosophischen Tons, SW II, S. 472ff.) 
JE




Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Dienstag, 30. April 2019

[Luft und Licht.]

 
(Es ist nicht erwiesen, dass die soeben aufgezeigte subtile Materie, vermittelst welcher die bloße Gestalt im Raume wirken soll, von der oben abgeleiteten spezifisch verschieden sei, sondern nur, dass der subtilen Materie diese beiden Prädikate zukommen müssen. Das Letztere wäre erwiesen, wenn sich zeigen ließe, dass die durch die bloße Gestalt zu modifizierende Materie gar nicht unmittelbar durch die Bewegung des Organs erschüttert werden könne, sondern für dieselbe fest und unwiderstehlich sei. Dieser Beweis liegt nicht eigentlich auf unse- rem Wege, ich will ihn aber gleich mit führen, um die Materien nicht zu sehe zu zerstreuen. -

Die Gestalt der Person außer mir muss für sie fortdauern, wenn sie sich selbst als die gleiche vorkommen soll, und sie muss es aus eben dem Grunde für mich. Nun setze man, dass wir in gegenseitiger Einwirkung auf ein- ander stünden durch die zu erschütternde subtile Materie (mit einander sprächen), so wird die Materie A sich unaufhörlich verändern, und ist sie das, worin unsere Gestalten abgedruckt werden, so werden auch diese sich unaufhörlich für uns verändern, welches der Voraussetzung, dass, nach unserer beider Vorstellung, dieselben Personen in Wechselwirkung stehen müssen, widerspricht. 

Mithin muss die Materie, in der unsere Gestalten abgedruckt sind, bei der beständigen Bewegung der Materie A unbeweglich und unerschütterlich, daher für unser Organ nicht modifikabel, mithin darin eine von A unterschie- dene = B sein. Luft, Licht. (Die Erscheinungen im Lichte sind nur mittelbar durch uns zu modifizieren, indem die Gestalt selbst modifiziert werden kann.)
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Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre,
SW Bd. III, S. 76

 


Nota. - Immerhin will er den pp. Geist nicht unmittelbar als solchen "wirken" lassen, denn dann wäre die ganze Transzendentalphilosophie hinfällig. Das historische Argument steht ihm nicht zur Verfügung, und so ist das mindeste, was man von ihm erwarten darf, dass er ersatzweise eine andere, spekulative Erklärung versucht. Zur Übertragung von Bestimmungen durch symbolische Gestalten bedarf es eines Mediums, nämlich eines materiel- len (wenn auch subtilen und modifikablen).

Aber das Mysterium der Symbolisierung ist nicht das des Mediums, sondern der Übergang der Repräsentation des Gemeinten aus einem analogen Modus (Bild) in einen digitalen (Bedeutung). Und der ist bis heute ein Rät- sel, das wird er mit Verrenkungen nicht lösen können; aber er wird es versuchen, nehme ich an.
JE



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Samstag, 12. November 2016

Alles objektive Vorstellen besteht in Raumerfüllung.


Hagen versenkt den Nibelungenhort

Vide das Eigentümliche des Wissenschaftslehre in Rücksicht auf das theoretische Vermögen, § 4. 

Nota Bene. Es kommt aber in dem Buche vieles vor, wovon nach der gegenwärtigen Darstellung noch nicht die Rede sein kann, und dieser Paragraph muss daher mit Rücksicht auf die gegenwärtige Darstellung gelesen werden.

p. 93ff. ad 1) Der eigentliche Akt des Vorstellenden besteht in dem Hereinsetzen in den Raum, dieser ist aber immer erfüllt und ist kein leerer Raum außer im Herübergehen durch die Einbildungskraft. 

ad 2) Anstatt Kraft, die sich äußert, würde jetzt gesagt werden müssen Materie, die aber nicht gesetzt werden kann außer im Raume. Die Materie ist teilbar ins Unendliche, also auch der Raum.

ad 3) Die Intensität kommt dem Gefühle zu, Extensität dem Raum. Durch jedes Gefühl werde ich geführt auf Materie, die ein Quantum ist und den Raum erfüllt. (Gefühl drückt eine Beziehung auf uns aus, Beziehung auf unsere Begriffe; denn nur, wieferen Gefühl gesetzt ist, ist eine Anschauung vorhanden.) Nur in wiefern Materie ein Quantum ist, ist sie anschaubar; sie ist nicht mathematischer Punkt, denn sie kann geteilt werden: Die Kontinuität des Raums und die unendliche Teilbarkeit der Materie müssen darum angenommen werden, weil sie Bedingungen der Freiheit sind. 

ad 4) Die Gefühle sind bloß subjektiv; was rot, süß, bitter etc. ist, kann man nicht durch Begriffe mitteilen; denn Objekten kommt außer den Gefühlsprädikaten weiter nichts zu, als dass sie Materie im Raume sind. 

ad 5) Man nehme ein Objekt und setze es in den Raum und frage: Wo ist es? Darauf gibt es keine Antwort, denn man hat keinen Punkt, wodurch man es bestimmen könnte, und doch gibt es eine solche Bestimmung; sie gründet sich darauf: Das erste Objekt wird gesetzt in einen absoluten Raum durch absolute Spontaneität. Das erste, das wir in den Raum setzen, ist durch nicht bestimmt als durch unser Denken. //117// 

ad 6) Man stelle sich vor einen Beobachter. Wo ich mein Auge hin richte, da setze ich Raum voraus; wenn ich hinsehe, dass im Raume dort Objekt ist, ich nehme Objekt mit in den Raum hinein. [sic] Alles objektive Vorstellen besteht in Raumerfüllung.
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Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 116f.
 



Nota: Objekten kommt außer den Gefühlsprädikaten weiter nichts zu, als dass sie Materie im Raume sind. 
JE 

Sonntag, 26. August 2018

Ist die Wissenschafslehre materialistisch?

Harald Schottner, pixelio.de

…es ist nicht möglich, auf den Raum zu reflektieren, ohne auf das Objekt, das im Raume ist, zu reflektieren; denn der Raum ist die subjektive Bedingung des Objekts, und der Raum ist bedingt durch die Reflexion auf das Objekt.. Es ist nicht möglich, auf das Objekt zu reflektieren, ohne auf den Raum, aber es gibt auch keinen Raum ohne Objekt, sonach sind beide im Bewusstsein notwendig vereinigt; ursprünglich ist kein Objekt und kein Raum gegeben allein, sondern zugleich. Objekt im Raum aber heißt Materie; folglich ist ursprünglich Materie.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 113

 

Nota. - Ja gewiss, die Wissenschaftslehre ist keine Metaphysik, über das Wesen der Welt lehrt sie nichts. Sie lehrt allerdings, siehe oben: Die Vernunft ist materialistisch, sie muss die Materie als ursprünglich ansehen. 

Nach Kant ist der Raum eine Anschauungsform a priori, ist also vor aller Reflexion, denn er liegt ihr zu Grunde. Nach Fichte ist der Raum ein Schritt in der Selbstsetzung des Ich. "Der Raum ist die Form der äußeren Anschau- ung. - Form ist das Bestimmbare bei einer Handlung des Ich, man könnte also auch Materie Form der äußeren Anschauung nennen. Die Materie ist es, welche in der äußeren Anschauung konstruiert / und begrenzt wird. Der Raum ist die Sphäre für die Freiheit, das, was im Raume uns beschränkt, ist das Materiale, was immer bleibt. Zum Unterschied wäre der Raum die subjektive, die Materie die objektive Form." ebd. 113f.

Materie ist das Erste, sie ist nicht die (zu überwindende) Schranke, an die unsere Freiheit stößt, sondern der Klotz, der ihr längst am Bein hängt, aber den sie nicht spüren könnte, wenn sie sich nicht regte. Doch spüren muss sie, denn Gefühl ist Bedingung des Bewusstseins, und ohne Bewusstsein ist keine Freiheit.

Die Wissenschaftslehre behauptet keinen Materialismus. Aber sie setzt ihn voraus. Sie ist nicht Metaphysik, sondern Transzendentalphilosophie. Diese greift ihre Vorussetzhungen nicht aus der Luft, sondern aus der Wirklichkeit.
JE

 

Mittwoch, 10. April 2019

[Zähe, haltbare Materie und meine Kunst.]

attisch, um 550 v. Chr.
 
Diese Hemmung der freien Bewegung in meinem Leibe muss ich zum Behuf der postuliereten Entgegenset- zung notwendig als möglich setzen - und mein Leib ist weiter bestimmt. Als Bedingung derselben muss ich außer mir setzen ein zähe, haltbare Materie, fähig, der freien Bewegung meines Leibes zu widerstehen; und so ist durch die weitere Bestimmung meines Leibes auch die Sinnenwelt weiter bestimmt. 

Jene zähe haltbare Materie kann nur einen Teil meiner freien Bewegung hemmen, nicht aber alle; denn dann wäre die Freiheit der Person gänzlich vernichtet. Ich muss sonach durch die freie Bewegung des übrigen Teils meines Leibes den gebundenen des Zwanges entledigen, mithin auch auf die zähe Materie eine Kausalität üben können; der Leib muss physische Kraft haben, ihrem Eindrucke wenn auch nicht unmittelbar durch das Wol- len, dennoch mittelbar durch Kunst, d. i. durch Anwendung des Willens auf den noch freien Teil der Artikula- tion, zu widerstehen.

Dann aber muss das Organ dieser Kausalität selbst aus solcher zähen haltbaren Materie zusammengesetzt sein; und die Übermacht des freien Wesens über diese Materie außer ihm entsteht lediglich aus der Freiheit nach Be- griffen; da hingegen die letztere bloß nach mechanischen Gesetzen wirkt, mithin nur eine Wirkungsweise hat, das freie Wesen aber mehrere.
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Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre,
SW Bd. III, S. 65



Nota. - Er führt was im Schilde, sonst würde er nicht so viel Begriffsgerät in Stellung bringen. Es soll die Mög- lichkeit einer rein mechanischen Übermacht ausgeschlossen und das Aufeinandertreffen zweier freier Willen herausgearbeitet und die Rolle des Begriffs eingeführt werden. Die waren aber von Anbeginn in der Vorausset- zung des Rechtsbegriffs enthalten. Wozu jetzt noch einmal en détail?
JE

Sonntag, 6. November 2016

Form ist das Bestimmbare.



Der Raum ist die Form der äußeren Anschauung. - Form ist das Bestimmbare bei einer Handlung des Ich, man könnte also auch Materien Form der äußeren Anschauung nennen. Die Materie ist es, welche in der äußeren Anschauung konstruiert //114// und begrenzt wird. Der Raum ist die Sphäre für die Freiheit, das, was im Raume uns beschränkt, ist das Materiale, was immer bleibt. Zum Unterschied wäre der Raum  die subjektive, die Materie die objektive Form. 

Der Raum wird vorausgesetzt, wenn ich mich in ihm als frei setzen soll. Die Sache der Freiheit ist, dass das durchs Gefühl Bestimmte gesetzt wird in jedem Ort, in welchem man will, wenn es vereinigt gesetzt wird; dass man es [als] in mehreren Orten seiend zerlegt, wenn es geteilt gesetzt wird. Die Synthesis des bestimmten Ortes mit dere bestimmten Anschauung ist Sache der Freiheit, ihre Sache ist: das bestimmte Objekt, d. h. durch das Prädikat des Gefühls Bestimmte, zu setzen in welchen Raum sie will.

Der Raum ist leer, indem ich ihn durchgehe, ihn leere und etwas anderes hinein denke; die Dinge werden beweglich, weil ich sie and diesen oder jenen Ort setzen kann.

Man kann den Raum einteilen in einen absoluten und einen relativen. Der absolute ist unbeweglich. Der relative ist der bestimmte Ort, den ein Objekt einnimmt, dieser ist beweglich durch Freiheit. 

Daraus wird folgen, dass die Freiheit des Handelns aus der Freiheit des Denkens hervorgehe.
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Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 113f.



Nota. - Die Form ist das Bestimmbare an der Materie. Das Bestimmbare an der Materie ist ihre Form. Form ist die Spur des Handelns an der Materie. - Was sollte es darüber hinaus für eine 'Dialektik von Stoff und Form' noch geben?
JE





Mittwoch, 19. August 2015

Das Reale ist Materie.



Wir beziehen das Ideale auf das Reale. Bestimmheit, Fixiertsein ist der Hauptcharakter desselben, des Realen sowohl als Denken als des Subjekts, das durch dies reale Denken entsteht. Das Denken steht bei dem Realen gleichsam still und ist nicht, wie bei dem Idealen, in Bewegung. 

Das ist nun in diesem Realen das Gedachte? Die produzierende Einbildungskraft, und da hier Bestimmtheit eintritt, die Einbildungskraft im Produzieren. Es ist ein Produkt der Einbildungskraft, also was ists? Die Einbildungskraft synthetisiert ein unendlich teilbares Mannigfaltiges, nun ist dieses hier etwas Stehendes, daher, weils Objekt der realen Tätigkeit ist. Daher wird nicht auf das Mannigfaltige gesehen, sondern aufs Eine, es ist das Erblickte ein Teilbares bis ins Unendliche, es ist teilbarer Stoff, Materie im Raume. Eben diese Vereinigung des Mannigfaltigen, wo auf die Vereinigung bloß gesehen wird, macht es zur Materie. ...

Das Reale ist liegende tote Materie, aber es wird gedacht durch ein frei tätiges Wesen, und ist dessen Bestimmung; es muss also doch das Gepräge desselben tragen, wodurch es auch nur fähig ist, Gegenstand desselben zu werden. Die Absolutheit kann nicht sein Absolutheit des Handelns, sondern bloß Absolutheit des Seins, ein Sein durch seine Natur, durch seine Bestimmtheit, die Materie wird etwas an sich selbst und durch sich selbst, ein selbstständiges Ding, da es vorher bloß ein mir vorschwebendes war, und es wird für mich ein gegebenes, ganz ohne meine Zutun vorhandenes Objekt. Denn ich bin nur frei, alle Beschränktheit liegt außer mir.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 221 











Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE 

Freitag, 16. Juni 2017

Zweiter, seinem Gehalte nach bedingter Grundsatz der Wissenschaftslehre.


§ 2. Zweiter, seinem Gehalte nach bedingter Grundsatz.

[101] Aus dem gleichen Grunde, aus welchem der erste Grundsatz nicht bewiesen, noch abgeleitet werden konnte, kann es auch der zweite nicht. Wir gehen daher auch hier, gerade wie oben, von einer Thatsache des empirischen Bewusstseyns aus, und verfahren mit derselben aus der gleichen Befugniss auf die gleiche Art.

1) Der Satz: – A nicht = A, wird ohne Zweifel von Jedem für völlig gewiss und ausgemacht anerkannt, und es ist kaum zu erwarten, dass Jemand den Beweis desselben fordere.

2) Sollte aber dennoch ein solcher Beweis möglich seyn,[101] so könnte er in unserem Systeme (dessen Richtigkeit an sich freilich noch immer bis zur Vollendung der Wissenschaft problematisch ist) nicht anders als aus dem Satze: A = A, geführt werden.

3) Ein solcher Beweis aber ist unmöglich. Denn setzet das äusserste, dass nemlich der aufgestellte Satz dem Satze: – A= – A, mithin – A irgend einem im Ich gesetzten Y völlig gleich sey, und er nun soviel heisse, als: wenn das Gegentheil von A gesetzt ist, so ist es gesetzt: so wäre hier der gleiche Zusammenhang (= X) schlechthin gesetzt, wie oben; und es wäre gar kein vom Satze A = A abgeleiteter, und durch ihn bewiesener Satz, sondern es wäre dieser Satz selbst... Und so steht denn auch wirklich die Form dieses Satzes, insofern er blosser logischer Satz ist, unter der höchsten Form, der Förmlichkeit überhaupt, der Einheit des Bewusstseyns.

4) Es bleibt gänzlich unberührt die Frage: Ist denn, und unter welcher Bedingung der Form der blossen Handlung ist denn das Gegentheil von A gesetzt. Diese Bedingung ist es, die sich vom Satze A – A müsste ableiten lassen, wenn der oben aufgestellte Satz selbst ein abgeleiteter seyn sollte. Aber eine dergleichen Bedingung kann sich aus ihm gar nicht ergeben, da die Form des Gegensetzens in der Form des Setzens so wenig enthalten wird, dass sie ihr vielmehr selbst entgegengesetzt ist. Es wird demnach ohne alle Bedingung und schlechthin entgegengesetzt. – A ist, als solches, gesetzt schlechthin, weil es gesetzt ist.

Demnach kommt unter den Handlungen des Ich, so gewiss der Satz – A nicht = A unter den Thatsachen des empirischen Bewusstseyns vorkommt, ein Entgegensetzen vor; und dieses Entgegensetzen ist seiner blossen Form nach eine schlechthin mögliche, unter gar keiner Bedingung stehende, und durch keinen höheren Grund begründete Handlung.

(Die logische Form des Satzes als Satzes steht, (wenn der Satz aufgestellt wird – A = – A unter der Bedingung der Identität des Subjects, und des Prädicats (d. i. des vorstellenden, und des als vorstellend vorgestellten Ich; S. 96. d. Anmerk.). Aber selbst die Möglichkeit des Gegensetzens an sich setzt die Identität des Bewusstseyns voraus; und der[102] Gang des in dieser Function handelnden Ich ist eigentlich folgender: A (das schlechthin gesetzte) = A (dem, worüber reflectirt wird). Diesem A, als Objecte der Reflexion, wird durch eine absolute Handlung entgegengesetzt – A, und von diesem wird geurtheilt, dass es auch dem schlechthin gesetzten A entgegengesetzt sey, weil das erstere dem letzteren gleich ist; welche Gleichheit sich (§ 1.) auf die Identität des setzenden und des reflectirenden Ich gründet. – Ferner wird vorausgesetzt, dass das in beiden Handlungen handelnde, und über beide urtheilende Ich das gleiche sey. Könnte dieses selbst in beiden Handlungen sich entgegengesetzt seyn, so würde – A seyn = A. Mithin ist auch der Uebergang vom Setzen zum Entgegensetzen nur durch die Identität des Ich möglich).

5) Durch diese absolute Handlung nun, und schlechthin durch sie, wird das entgegengesetzte, insofern es ein entgegengesetztes ist (als blosses Gegentheil überhaupt) gesetzt. Jedes Gegentheil, insofern es das ist, ist schlechthin, kraft einer Handlung des Ich, und aus keinem anderen Grunde. Das Entgegengesetztseyn überhaupt ist schlechthin durch das Ich gesetzt.

6) Soll irgend ein – A gesetzt werden, so muss ein A gesetzt seyn. Demnach ist die Handlung des Entgegensetzens in einer anderen Rücksicht auch bedingt. Ob überhaupt eine Handlung möglich ist, hängt von einer anderen Handlung ab; die Handlung ist demnach der Materie nach, als ein Handeln überhaupt, bedingt; es ist ein Handeln in Beziehung auf ein anderes Handeln. Dass eben so, und nicht anders gehandelt wird, ist unbedingt; die Handlung ist ihrer Form nach, (in Absicht des Wie) unbedingt.

(Das Entgegensetzen ist nur möglich unter Bedingung der Einheit des Bewusstseyns des setzenden, und des entgegensetzenden. Hinge das Bewusstseyn der ersten Handlung nicht mit dem Bewusstseyn der zweiten zusammen; so wäre das zweite Setzen kein Gegensetzen, sondern ein Setzen schlechthin. Erst durch Beziehung auf ein Setzen wird es ein Gegensetzen).

7) Bis jetzt ist von der Handlung, als blosser Handlung, von der Handlungsart geredet worden. Wir gehen über zum Producte derselben = – A.[103] 

Wir können im – A abermals zweierlei unterscheiden; die Form desselben, und die Materie. Durch die Form wird bestimmt, dass es überhaupt ein Gegentheil sey (von irgend einem X). Ist es einem bestimmten A entgegensesetzt, so hat es Materie; es ist irgend etwas Bestimmtes nicht.

8) Die Form von – A wird bestimmt durch die Handlung schlechthin; es ist ein Gegentheil, weil es Product eines Gegensetzens ist: die Materie durch A; es ist nicht, was A ist; und sein ganzes Wesen besteht darin, dass es nicht ist, was A ist. – Ich weiss von – A, dass es von irgend einem A das Gegentheil sey –. Was aber dasjenige sey, von welchem ich jenes weiss, kann ich nur unter der Bedingung wissen, dass ich A kenne.

9) Es ist ursprünglich nichts gesetzt, als das Ich; und dieses nur ist schlechthin gesetzt. (§ 1.) Demnach kann nur dem Ich schlechthin entgegengesetzt werden. Aber das dem Ich entgegengesetzte ist = Nicht-Ich.

10) So gewiss das unbedingte Zugestehen der absoluten Gewissheit des Satzes: – A nicht = A unter den Thatsachen des empirischen Bewusstseyns vorkommt: so gewiss wird dem Ich schlechthin entgegengesetzt ein Nicht-Ich. Von diesem ursprünglichen Entgegensetzen nun ist alles das, was wir so eben vom Entgegensetzen überhaupt gesagt haben, abgeleitet; und es gilt daher von ihm ursprünglich: es ist also der Form nach schlechthin unbedingt, der Materie nach aber bedingt. Und so wäre denn auch der zweite Grundsatz alles menschlichen Wissens befunden.

11) Von allem, was dem Ich zukommt, muss kraft der blossen Gegensetzung dem Nicht-Ich das Gegentheil zukommen.

(Es ist die gewöhnliche Meinung, dass der Begriff des Nicht-Ich ein discursiver, durch Abstraction von allem Vorgestellten entstandener Begriff sey. Aber die Seichtigkeit dieser Erklärung lässt sich leicht darthun. So wie ich irgend etwas vorstellen soll, muss ich es dem Vorstellenden entgegensetzen. Nun kann und muss allerdings in dem Objecte der Vorstellung, irgend ein X liegen, wodurch es sich als ein Vorzustellendes, nicht aber als das Vorstellende entdeckt; aber dass alles, worin[104] dieses X liege, nicht das Vorstellende, sondern ein Vorzustellendes sey, kann ich durch keinen Gegenstand lernen; vielmehr sieht es nur unter Voraussetzung, jenes Gesetzes erst überhaupt einen Gegenstand).

Aus dem materialen Satze: Ich bin, entstand durch Abstraction von seinem Gehalte der bloss formale und logische: A = A. Aus dem im gegenwärtigen § aufgestellten entsteht durch die gleiche Abstraction der logische Satz: – A nicht = A; den ich den Satz des Gegensetzens nennen würde. Er ist hier noch nicht füglich zu bestimmen, noch in einer wörtlichen Formel auszudrücken; wovon der Grund sich im folgenden § ergeben wird. Abstrahirt man endlich von der bestimmten Handlung des Urtheilens ganz, und sieht bloss auf die Form der Folgerung vom Entgegengesetztseyn auf das Nicht-Seyn, so hat man die Kategorie der Negation. Auch in diese ist erst im folgenden § eine deutliche Einsicht möglich.

Quelle: J. G. Fichte, Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre 
in: Johann Gottlieb Fichtes sämmtliche Werke. Band 1, Berlin 1845/1846, S. 101-105.


Mittwoch, 16. November 2016

Mein Leib.


Faustkämpfer, Quirinal
 
Das Ich kann nicht ideal sein, ohne praktisch zu sein und umgekehrt; dadurch entsteht ein Doppeltes. Nun ist die Rede vom Ich, also es gibt ein Gefühl des Gefühls und ein Anschauen des Anschauens, und dadurch bekä- men wir ein Vierfaches. Wir haben es zugleich mit dem Ich als Objekt des Anschauung zu tun. Die Form der Anschauung ist Raum und Materie. Das Ich wird sonach Materie im Raum, sofern es begrenzt und strebend ist. 

Das Streben überhaupt als solches ist unendlich, es geht auf eine Kausalität ins Unendliche aus. Sonach muss der Raum unendlich sein. Dieses Streben ist absolut frei, es gibt gar keine mögliche Rücksicht, wo es sich nicht weiter bestimmen oder aufhalten könnte; dadurch wird der Raum und die Materie //120// teilbar bis unendlich. Dies wurde im vorigen Paragraphen nur aufgestellt als Resultat der Freiheit des Denkens; hier wird es höher auf die Freiheit des Strebens zurückgeführt.

Ist nun von meinem Streben, in wiefern es nicht Kausalität hat, mithin von Begrenztheit die Rede, so ist es ein geschlossnes gegrenztes Quantum. Aber auf diesem Punkt bin ich frei, es hängt von meiner Selbstbestimmung ab, meine Grenzen auszudehnen und meinem Streben Kausalität zu verschaffen. Der Raum, in dem ich sein soll, steht unter meiner Herrschaft; die Materie, die ich sein  soll, und ihre Teile hängt [sic] von mir ab. Es ist mein Leib, inwiefern er artikuliert ist.
_________________________________________ 
Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 119f.
 



Nota. - Noch immer ist die Rede ja vom Ich. Es ist nicht so, dass die (sinnliche) Leiblichkeit nachträglich zum (geistigen) Streben hinzukäme. Sondern das Ich, das schlechterdings strebend-fühlend-anschauend ist, muss sich in einem Raum anschauen - den es erfüllt: als Leib. Das alles geschieht nicht sukzessive, sonder ist so mit einem Mal.

Und noch einmal: Es geht der Wissenschaftslehre nicht darum, dieWelt, wie sie ist, zu begründen, sondern dar- um, das Bewusstsein, das wir ja wirklich haben, zu verstehen; zu verstehen, in wiefern wir vernünftig sind - und was das überhaupt heißt.
JE


Mittwoch, 19. April 2017

Das Reale ist liegende, tote Materie



//221//                                                                4.

Wir beziehen das Ideale auf das Reale. Bestimmtheit, Fixiertsein ist der Hauptcharakter desselben, dies Realen sowohl als Denken als des Subjekts, das durch dies reale Denken entsteht. Das Denken steht bei dem Realen gleichsam still und ist nicht, wie bei dem Idealen, in Bewegung.  

Was ist nun in diesem Realen das Gedachte? Die produzierende Einbildungskraft und, da hier Bestimmtheit eintrifft [sic], die Einbildungskraft im Produzieren. Es ist ein Produkt der Einbildungskraft, also was ists? 

Die Einbildungkraft synthetisiert ein unendlich teilbares Mannigfaltiges, nun ist dieses hier ein Stehendes - daher, weils ein Objekt der realen Tätigkeit ist. Demnach wird nicht aufs Mannigfaltige gesehen, sondern aufs Eine. Es ist das Erblickte ein Teilbares bis ins Unendliche, es ist teilbarer Stoff, Materie im Raume. Eben die Vereinigung des Mannigfaltigen, wo auf die Vereinigung nur gesehen wird, macht es zur Materie. Darauf wird sich nun das Ideale beziehen und das Reale dadurch affiziert werden und sein Gepräge erhalten.

In demselben Zustande nämlich, da ich bestimmt denke, denke ich zugleich geistig und frei, mithin muss diese Freiheit auch aufs bestimmte Denken Einfluss haben und seine Spur zeigen. Welches ist nun dieses Produkt des Idealen im Bestimmen? Nichts anderes als das ideale Denken selbst, also ein sich-Bestimmen, Selbstheit, Freiheit müsste doch in demselben liegen.

Das Reale ist liegende tote Materie, aber es wird gedacht durch ein frei tätiges Wesen und ist dessen Bestim- mung; es muss also noch das Gepräge desselben tragen, wodurch es auch nur fähig ist, Gegenstand desselben zu werden.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 221  
 


Nota. - Wenn es erlaubt wäre, aus der Wisenschaftslehre eine positive Metaphysik herauszulesen - nämlich eine Antwort auf die Frage, ob die Welt 'im Grund' aus Stoff oder aus Geist bestünde -, so belegt diese Stelle hinrei- chend: 'Wenn ich sie nach etwas nennen müsste', so wüsste ich nichts anderes als Materialismus.
JE






Nota - Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Freitag, 25. Juli 2014

Ursprünglich ist nur Materie.


Harald Schottner, pixelio.de

…es ist nicht möglich, auf den Raum zu reflektieren, ohne auf das Objekt, das im Raume ist, zu reflektieren; denn der Raum ist die subjektive Bedingung des Objekts, und der Raum ist bedingt durch die Reflexion auf das Objekt. Es ist nicht möglich, auf das Objekt zu reflektieren, ohne auf den Raum, aber es gibt auch keinen Raum ohne Objekt, sonach sind beide im Bewusstsein notwendig vereinigt; ursprünglich ist kein Objekt und kein Raum gegeben allein, sondern zugleich. Objekt im Raum aber heißt Materie; folglich ist ursprünglich Materie.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Nachschrift K. Chr. Fr. Krause, Hamburg 1982, S. 113



Nota.

Das ist natürlich kein ontologischer Satz: 'Am Anfang war Materie.'  Es ist ein wissenskritischer Satz: Wenn Raum und Zeit transzendentale Formen der Wahrnehmung sind, dann muss das, was wahrgenommen wird, im Raum (und in der Zeit) vorkommen.

Ein 'Sein' kommt hier noch gar nicht in Betracht. Reell ist nur, was auf Wahrnehmung gründet. Wahrnehmen aber ist Handeln. Die philosophische Reflexion kann nur davon ausgehen.
JE