Sonntag, 11. September 2016

Gefühl ist etwas Reales, Anschauung etwas Ideales.


Moulin, Objet trouvé à Pompéi

4) Es kommt der idealen Tätigkeit der Charakter der Freiheit der Tätigkeit zu, da das Gefühl im Gegenteil ein Leiden ist. Aber die ideale Tätigkeit ist oben erklärt worden als gebunden. Was ist das nur für eine Freiheit, die dabei gedacht wird? Es ist ein eigentliches Tun, ein Hervorbringen eines Neuen, das erst durch diese Tätigkeit wird. Die Gebundenheit der idealen Tätigkeit wird darin bestehen, dass sie nicht unbedingt frei ist, sondern sich nach gewissen Gesetzen richten muss.

Der Charakter der Freiheit kann der idealen Tätigkeit nicht zukommen, außer in wiefern das Ich sich diese Tätigkeit zuschreibt. Dieses geschieht durch Gegensatz eines nicht freien Zustandes - des Gefühls. Wenn daher die ideale Tätigkeit gesetzt würde als ein Losreißen aus dem leidenden Zustande des Gefühls, so wäre der Ge-gensatz und das Vereinigungsband zwischen Gefühl und Anschauung da. Anschauung ohne Gefühl wäre nicht da, und aus dem Gefühl müsste notwendig Anschauung folgen.

Wir hätten hier in einer weiteren Bestimmung den Satz wieder: Ideale und reale Tätigkeit sind nichts ohne ein-ander. Hier heißt es: Gefühl und Anschauung sind nicht ohne einander. Gefühl ist etwas Reales, Anschauung etwas Ideales.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 79








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