Sonntag, 7. Oktober 2018

Alles Bestimmen geschieht durch Entgegesetzen.

Lothar Sauer

...man / findet sich thätig, nur inwiefern man dieser Thätigkeit eine Ruhe (ein Anhalten und Fixirtseyn der inneren Kraft) entgegensetzt. (Der Satz, welches wir hier nur im Vorbeigehen erinnern, ist auch umgekehrt wahr: man wird sich einer Ruhe nicht bewusst, ohne eine Thätigkeit zu setzen. Thätigkeit ist nichts ohne Ruhe und umgekehrt. Ja, der Satz ist allgemein wahr, und wird im folgenden in dieser seiner allgemeinen Gültigkeit aufgestellt werden: Alle Bestimmung, was es nur sey, das bestimmt werde, geschieht durch Gegensatz...)
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Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre, SW I, S. 530f.


Nota. - Bestimmt wird an einem Ding nicht, was es ist (das hat es nicht nötig, es ist sowieso), sondern das, was es bedeutet, das, als was es gilt: denn als das gilt es nur, sofern es bestimmt wurde. Das, was es bedeutet; das, als was es gilt; das, wozu es bestimmt ist, ist immer das, als was und wie es in einer Handlung vorkommen kann. Das ist eine bloße Worterklärung: Unter Handlung verstehen wir eine Tätigkeit, die absichtsvoll auf einen Gegenstand gerichtet ist (und der der Gegenstand auf diese oder jene Weise entgegen steht: Diesen Widerstnd nennen wir sei- ne Eigenschaft). Der Bestimmungsgrund der Bedeutung ist folglich die absichtsvolle Gerichtetheit. 

Vorab war also die Richtung der Tätigkeit bestimmt; wir nennen sie ihren Zweck. Um einen Zweck als diesen zu bestimmen, musste ich ihn unterscheiden von allen (möglichen) Zwecken, die er nicht ist. Ich musste ihm sein Gegenteil entgegen setzen; nachdem ich ihn selber freilich gesetzt hatte: Omnis determinatio est negatio, allerdings; aber positio komt vor negatio. 
JE


 

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