Dienstag, 30. Oktober 2018

Die alte und die neue Darstellung der Wissenschaftslehre.

Life magazine
 
Ideales und Reales liegt nebeneinander und bleiben immer abgesondert. Im Buche* ist zuförderst das erste be- stimmt und das zweite von ihm abgeleitet. Hier** wird umgekehrt mit dem Praktischen angefangen und dies wird abgesondert, so lange es abgesondert ist und nicht mit dem Theoretischen in Beziehung steht. Sobald aber beide zusammenfallen, werden sie beide miteinander abgehandelt. Somit fällt die im Buche* in den theoretischen und den praktischen Teil gemachte Einteilung hier weg. 

In beiden Darstellungen wird ausgegangen von einer Wechselbestimmuung des Ich und NichtIch.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 72

*) Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre
**) Wissenschaftslehre nova methodo

 
Nota I. - Dies betrifft lediglich die Art des Vortrags. Der Sache nach ist auch in der Grundlage die praktische Tä- tigkeit Bedingung der idealen, welche sich auf jene bezieht; andersrum geht's ja nicht.

16. 9. 15 

Nota II. - Die Unstimmigkeit der Darstellung mit dem Dargestellten in der Grundlage fällt auch dem unvoreinge- nommenen Leser noch heute auf und wurde schon damals beanstandet. Sie also war es, die Fichte in seiner 'neuen Darstellung' beheben wollte. 

Die 'alte' Darstellung begann, wie er sagt, beim 'Idealen', und ging erst von dort aus auf das Praktische zurück. 'Das Ideale' - das konnte, wenn er es an den Anfang stellte, nur ein Begriff sein. Wenn er die Darstellung korri- gierte und mit dem Praktischen, 'Realen' begann, konnte es nicht mehr - d. h. noch nicht! - ein Begriff sein: Zu den Begriffen geht er erst im Theoretischen über. Und das ist die Stelle, wo der Unterschied in der Darstellung auch einen Unterschied in der Sache ausmacht:  Die Nova methodo knüpft nicht mehr Begriffe an einander, sondern ent- wickelt Vorstellungen aus einander. 

Das gibt der Darstellung - nein: dem Dargestellten - eine ganz neue Kohärenz. Es ist eigenartig, dass Fichte selbst diese Neuerung stets nur beiläufig und am Rande erwähnt. Denn indem die Darstellung technisch ge- wissermaßen geglättet wurde, wird das Dargestellte erst recht schwer verständlich.
JE


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