Sonntag, 13. November 2016

Grund allen objektiven Denkens ist mein eigner Zustand.


justin bailie

2. Wie wir in einem der letzten der vorigen Paragraphen gesehen haben, so ist Grund alles objektiven Denkens mein eigner Zustand. Nun soll das Denken eines Objekts objektiv sein, es muss sich daher auf meinen Zustand beziehen. (Der Wahrheit gemäß vorstellen heißt so vorstellen, dass mein Zustand daraus erklärt werde.) Die Ortsbestimmung ist ein objektives Denken, sie muss daher einen Zustand von mir erklären, und alle Ortsbe- stimmung muss von mir ausgehen.

Die Erfahrung sagt hierüber: Man ordnet die Dinge im Raume nach der geringern oder größern Entfernung und Lage von sich selbst, d. h. nach der geringern oder größern Kraftäußerung, deren man bedürfte, um sich selbst in den Ort zu versetzen, in dem das Objekt sich befindet (Der Raum lässt sich nur durch die Zeit messen und umgekehrt), und dann, ob es uns links oder rechts, vor- oder seitwärts liege. Diese Aussage der Erfahrung soll uns aber nicht als ein Beweis gelten.

Wenn alle Ortsbestimmung von mir ausgehen, alle Objekte im Raume durch mich bestimmt werden sollen, so muss ich selber aller Vorstellung vorher als ein alle Vorstellungen im Raume Bestimmendes im Raume sein. Ich müsste mir im Raume gegeben sein.

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Wissenschaftslehre nova methodo,
 Hamburg 1982, S. 118
 
  



Nota. - 'Mein Zustand' ist bestimmt durch die Gesamtheit meiner Gefühle; ist die momentane Verfassung mei- nes 'Systems der Sinnlichkeit'. (Ich bin schlechterdings tätig, da ich tätig bin, stoße ich auf einen Widerstand; dies erzeugt ein Gefühl.) So weit, so gut. Das ist schlicht sensualistisch. 

Aber um die Vorstellungstätigkeit in 'meinen Zustand' mit aufnehmen (und die Brücke vom Sinnlichen zur In- telligenz schlagen) zu können, hat er die Erfahrung des Denkzwangs - nämlich die Erfahrung, dass ich, wenn ich ein Ding 'der Wahrheit gemäß' vorstellen will, es so und nicht anders vorstellen muss - ebenfalls als ein Gefühl bestimmt: ein "intellektuelles Gefühl", wie er andernorts sagt. Das ist bislang ein rein verbales Kunststück ge- blieben. Wenn er es nicht bald auflöst, aber weiterhin Schlüsse daraus zieht, wird man sagen müssen: ein fauler Trick.
JE  







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