Freitag, 18. Januar 2019

Der Stoff ist ein Produkt der Einbildungkraft.


Endlich - das Vernunftwesen kann sich nicht wirkend setzen, ohne sich zugleich vorstellend zu setzen, es kann sich nicht setzen als wirkend auf ein bestimmtes Objekt, ohne sich dieses Objekt immerfort vorzustellen; es kann keine bestimmte Wirkung als vollendet setzen, ohne das Objekt, auf welches sie gegangen, zu setzen. Nämlich, da das Objekt gesetzt wird als die Wirksamkeit vernichtend, aber die Wirksamkeit doch neben dem Objekt bestehen soll, so entsteht / hier ein Widerspruch, der sich nur durch ein Schweben der Einbildungs- kraft zwischen beiden, wodurch eine Zeit entsteht,* vermitteln lässt. Die Wirksamkeit auf das Objekt geschieht daher sukzesssiv in der Zeit.

Wird nun auf ein und dasselbe Objekt gewirkt und sonach die Wirksamkeit in jedem gegenwärtigen Momente betrachtet als bedingt durch den vorhergehenden und mittelbar durch die in allen vorhergehenden Momenten: so wird er Zustand des Objekts ebenfalls betrachtet als bedingt durch den in allen vorhergehenden Momenten, von der ersten Kenntnis des Objekts an; und so bleibt das Objekt dasselbe, ohnerachtet es unaufhörlich verän- dert wird; nämlich das durch die Einbildungskraft hervorgebrachte Substrat, um in demselben das Mannigfalti- ge zu verknüpfen. Die Unterlage der unaufhörlich sich ausschließenden Akzidenzen, welche man den bloßen Stoff nennt, bleibt dieselbe.

Daher kommt es, dass wir uns nur setzen können als verändernd die Form der Dinge, keinesfalls aber den Stoff; dass wir uns wohl des Vermögens bewusst sind, die Gestalten der Dinge ins Unendliche zu verändern, aber des Unvermögens, dieselben hervorzubringen oder zu vernichten, und dass die Materie für uns weder vermehrt noch vermindert werden kann; und auf diesem Gesichtspunkte des gemeinen Bewusstseins, keines- wegs aber auf dem der tranzendentalen Philosophie, ist uns ursprünglich ein Stoff gegeben.**

*) Man kann hierüber nachlesen Jacobi, Gespräch über Idealismus und Realismus, wo einleuchtend nachgeweisen wird, dass Zeitvorstellungen, die an sich dem reinen Begriff der Kausalität widersprechen, nur aus der Vor- stellung unserer eigenen Wirksamkeit auf die Dinge auf ihn [den reinen Begriff der Kausalität] übertragen werden.

**) Eine Philosophie, die von den Tatsachen des Bewusstseins, dem, was man findet, wenn man das Ich bloß als das Behandelte ansieht, ausgeht, kann über jene Grenze, wo ein Stoff gegeben ist, nicht hinausgehen, und ver- fährt sonach völlig konsequent, wenn sie jenen Satz aufstellt.
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Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, 
SW Bd. III, S. 28f.



Nota. - Das ist ja wahr: In der Anschauung ist ein wirklicher Gegenstand stets nur in einem jeweiligen veränder- lichen Zustand sichtbar. Ein 'Träger', an dem diese Zustände nacheinander vorkommen, sehen wir nicht. Den müssen wir uns schon hinzu vorstellen: durch Einbildungskraft. Aber völlig aus der Luft gegriffen ohne eine Berührung mit dem Sinnlichen ist er nicht: In ihm ist dasjenige dargestellt, was am Objket das Objektive ist: seine ganz unbestimmte, unendlich bestimmare Widerständigkeit gegen alle meine Tätigkeiten. Sie ist das einzi- ge Sinnliche, das in der Transzendentalphilosophie vorkommt - und sie in der Welt verankert.
JE




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